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Cleopatra

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Von: Sylvia Staude

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Da räkelt sich Elizabeth Taylor auch schon vor … Cäsar, wer hat nochmal den Cäsar gespielt? Ach, Rex Harrison ist das?
Da räkelt sich Elizabeth Taylor auch schon vor … Cäsar, wer hat nochmal den Cäsar gespielt? Ach, Rex Harrison ist das? © Imago

Das Jahresend-Fernsehprogramm bringt sie zurück, die kurzen Röckchen der Römer.

Man hat nun wirklich Besseres zu tun, als das Jahresend-TV-Programm zu gucken. Da sind sich alle einig, die sich gerade noch gar nicht darüber einigen konnten, ob das nun ein angenehm milder oder zu milder Rotwein ist. Und ob die Mousse au Chocolat heute im Restaurant so gut war wie die selbstgemachte gestern. Andererseits, sagt da eine, haben wir andererseits tatsächlich Besseres zu tun, hat etwa noch jemand Lust auf noch ein Spiel? Draußen schüttet es wieder, sagt sie. Draußen schmatzt die Wiese unter den Schuhen, so nass ist sie, müssen die Schuhe nach dem Spaziergang schon wieder geputzt werden (und ich hasse Schuheputzen), riecht nachher der Hund nach … nassem Hund.

Da hat sich schon jemand die Fernbedienung gegriffen und – … jetzt wart’ doch mal, schalt’ nicht gleich weiter, was ist das denn?

Wie kurz die Röckchen der Römer waren, das wär’ doch mal eine schicke Männermode für den Sommer. Ja, wenn du Richard Burton bist. Allgemeine Heiterkeit. Und was in Cleopatras Palast so rumsteht: Raumschiff Orion trifft auf Trump-Bombast. Kopfschütteln. Grinsen. Da räkelt sich Elizabeth Taylor auch schon vor … Cäsar, wer hat nochmal den Cäsar gespielt? Kann jemand das mal schnell googeln? Eine Hofdame, die nicht nur eine Frisur hat wie die Bezaubernde Jeanie, zupft hastig das Stück Stoff über Cleopatras Hüfte gefühlte fünf Millimeter nach unten. Ach du meine Güte, typisch amerikanisch. Ach, Rex Harrison ist das? Der hat doch in „My Fair Lady“ gespielt, oder?

Die eine Zuschauerin findet, dass Harrison in „My Fair Lady“ sympathischer war. Die andere kann sich an jene alberne Zurechtzupf-Szene beim besten Willen nicht mehr erinnern. Der dritte behauptet, dass das überhaupt eine längere Fassung sein muss, denn die, die er einst gesehen hat, war irgendwie dramatischer, spannender.

Darauf können sich dann wieder alle einigen. Dass diese alten Filme sich über die Jahrzehnte irritierend verändern – und nicht zu ihrem Vorteil. Oder hat die Riesen-Sphinx, mit der Cleopatra triumphal vorfährt, schon immer so gewackelt? Und sich Cäsar von einem epileptischen Anfall in Sekundenschnelle erholt? Hat die ägyptische Musik schon immer geklungen, als stimme ein westliches Orchester die Instrumente? Und hat man selbst damals schon all die römischen Namen durcheinander gebracht, sich allenfalls erinnernd, dass Cäsar wirklich enttäuscht war von Brutus und fragte: Et tu, Brute?

Brute, ist das der Vokativ, fragt einer. Wir haben doch wirklich Besseres zu tun, als uns mit lateinischer Grammatik zu beschäftigen, antwortet man ihm.

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