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Times mager

Circonflexe

  • Axel Veiel
    VonAxel Veiel
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Dass einige Buchstaben unter Umständen ohne Dächlein auskommen sollen, ist manchem Franzosen mehr als unangenehm.

Kompliziertes zu vereinfachen zählt zum Kompliziertesten überhaupt. In Frankreich jedenfalls. Seien es die aus gutem Grund Blätterteig genannten vielfältigen Verwaltungsstrukturen des Landes oder das ganze Bücherregale füllende Arbeitsrecht: Die Vereinfachungsversuche waren zahlreich. Simples hervorgebracht haben sie nicht.

Aber vielleicht gelingt es ja nun, das so manches Schülerleben verdüsternde Dickicht französischer Rechtschreibregeln zu lichten. Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem, die sich an der Spitze des Ressorts Frauenrechte bereits als Vorkämpferin der Homo-Ehe bewährt hat, bahnt auch diesmal dem Fortschritt den Weg.

In einem offenen Brief hat die Ministerin jetzt eine Bresche für eine seit 25 Jahren vor sich hindümpelnde Rechtschreibreform geschlagen. Sie sieht unter anderem eine teilweise Abschaffung des Circonflexe vor, des Vokale zierenden Dächleins. Hinzu kommen ein sparsamerer Gebrauch von Bindestrichen oder die vereinfachte Schreibweise einiger Wörter.

Und dies auch noch in aufgewühlter Zeit!

Ob die Rückendeckung der Ministerin den Simplifizierungsversuch davor bewahren wird, das Schicksal seiner Vorgänger zu erleiden? Es sieht nicht danach aus. Das auf Vereinfachung zielende Vorhaben stößt auf massiven Widerstand. Der frühere Bildungsminister und Zentrumspolitiker François Bayrou warnt davor, „Frankreichs Kinder zu entwurzeln“. Annie Genevard, Bildungsbeauftragte der konservativen Republikaner, beklagt, dass man sich an der Identität der Franzosen vergreife und dies auch noch in aufgewühlter Zeit, sprich: in Zeiten des Terrors. Und Ex-Premier François Fillon merkt an, dies sei nun wirklich nicht der rechte Augenblick für so eine Initiative. Das Volk sieht das ähnlich, 82 Prozent der Franzosen lehnen die Neuerungen ab.

Aber was heißt da Neuerungen. Wirklich neu ist allein, dass Verlage angekündigt haben, mit der vor einem Vierteljahrhundert beschlossenen, aber nicht in die Tat umgesetzten „Berichtigung der französischen Sprache“ endlich Ernst zu machen und sie in Schulbüchern zu berücksichtigen.

Als unverbindliches Angebot ist der Vorstoß gedacht. Niemandem soll etwas vorgeschrieben werden. Alte und neue Schreibweisen sollen vielmehr in friedlicher Koexistenz zusammenfinden, auf dass Befürworter wie Gegner der Reform tun können, was ihr orthographisches Gewissen gebietet. Das zumindest ist Konsens. Womit sich allerdings abzeichnet, dass auch diese Vereinfachungsinitiative wieder einmal verwirrende Vielfalt hervorbringen wird.

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