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Erfindergeist der "Hunan-Kultur": Ein Chinese funktioniert seinen Koffer zum fahrbaren Untersatz um.

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China

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Müssen wir die „Human-Kultur“ erst importieren - oder war doch in einer Email etwas anderes gemeint?

Mit Interesse hatte Kollege S. eine Mail gelesen, die Kollege D. an ihn weitergeleitet hatte. „Human-Kultur kommt nach Deutschland“, hatte Kollege S. zitiert und spontan bemerkt, es werde auch höchste Zeit.

Nun kam die Mail irgendwie aus China, und Kollege S. geriet ins Zweifeln. Zum einen, bemerkte er, sei so etwas wie „Human-Kultur“ doch in Deutschland auch früher schon zu Hause gewesen, man denke nur an den europäischen Humanismus der Renaissance und irgendwie auch an Bach, Kant, Hegel, Marx o. Ä., von der humanistischen Bildung und der Humanistischen Union ganz zu schweigen.

Nun möge es zwar wohl sein, dass der Humanismus in der westlichen Welt, Deutschland eingeschlossen, auf dem Rückzug sei, da er sich ja mit der zunehmenden politischen Organisation des Prinzips Menschenverachtung naheliegenderweise nur schlecht vertrage, fuhr S. fort. Aber ob ausgerechnet aus China die „Human-Kultur“ reimportiert werden müsse, sei doch die Frage, man wisse ja, was aus deutscher Wertarbeit werde, wenn der Chinese sie als Plagiat unter die Leute bringe.

An dieser Stelle warf Kollege D. dann doch noch einen Blick auf die E-Mail und verlas treffend: „Hunan-Kultur kommt nach Deutschland“. Kollege S. verfiel in peinlich berührtes Schweigen.

„Die einzigartige Kulturveranstaltung ,Kulturelles China – Hunan-Kultur kommt nach Deutschland‘ wird vom 29. Oktober bis zum 1. November 2018 im CCD Congress Center Düsseldorf stattfinden. Diese Veranstaltung ist vom Büro des Staatsrates für Angelegenheiten der Überseechinesen und Regierung der Provinz Hunan veranstaltet“, verlas Kollege D., worauf Kollege S. mokant einwarf: „Wer so alles Veranstaltungen veranstaltet, die stattfinden.“

Aber Kollege D. las unverdrossen weiter: „Eine Fotoausstellung nimmt Sie mit auf einen Streifzug durch die (südchinesische, Anm. d. Red.) Provinz, z. B. zu den Weltnaturerbe-Stätten Wulingyuan – ein Landschaftspark in Zhangjiajie“ etc. „Es“ – Kollege S.: „das Veranstaltung?“ – „besteht aus kostbarer Malerei, Stick- und Prozellankunst, Teekultur, Literatur, Musik und einer Akrobatik-Show. Es wird einer der größten chinesichen Kulturveranstaltungen in Deutschland sein.“

Kollege S. merkte lobend an, Kollege D. habe selbst schwierige Wörter fließend vorgelesen, vor allem „Prozellankunst“, nur bei „chinesich“ habe es gehapert, das spreche man auf Hessisch „Schinesich“. Jedenfalls sei nicht auszuschließen, dass es sich bei Prozellankunst vielleicht doch um so etwas wie Human-Kultur handeln könne. Womöglich gar idealtypisch, fügte Kollege S. noch hinzu. Kollege D.: „Oder portotypisch.“

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