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Schriftstellerin Daniela Dröscher.
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Schriftstellerin Daniela Dröscher.

Times mager

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  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Wenige Zeilen über Milieuwechsel, Aufstieg, Werdegang lassen jeden Tag staunen.

Warum ist das Internetprojekt checkyourhabitus.com so gelungen, aufschlussreich und intensiv, dass man seit ein paar Tagen morgens schaut, was es Neues gibt? Obwohl man schon das Wort Internetprojekt nicht leiden kann? Wie gut, dass checkyourhabitus.com im Grunde auch kein Internetprojekt ist. Es steht halt im Internet. Also:

Erstens ist die Grundidee sehr kompakt und doch frei. Drei Wenige-Zeilen-Texte am Tag – immer in sechs Sprachen und schön gestaltet, nämlich zunächst als schriftliches Babylon –, aus einem Kreis von 18 Autorinnen und Autoren. Die Schriftstellerin Daniela Dröscher hat sie dazu eingeladen, ihren von einem Milieuwechsel und sogenannten Aufstieg geprägten Werdegang zu beleuchten und zu reflektieren. Jan Böttcher und Katy Derbyshire sind darunter, Patrick Findeis, Heike Geißler, Dilek Güngör, Yael Inokai, Peggy Mädler, Karosh Taha, Senthuran Varatharajah. Dröscher sprach Kolleginnen und Kollegen an, von denen sie wusste, dass auch sie das anging. Jeden Tag nicht erwartbare Texte zu nicht erwartbaren Aspekten. Das geht noch bis zum 21. Mai weiter, das dazugehörige Buch erscheint bei Sukultur in Berlin (44 S., 4 Euro).

Zweitens sagt sich das leicht: Milieuwechsel, Aufstieg, aber es zeigen sich (lassen sich ahnen) sehr unterschiedliche Geschichten. Indem sie nicht ausgeführt werden, entfällt, was sonst den Blick verstellt: Wer hatte es schwerer, wer am schwersten? Hier geht es nicht um Hierarchien, hier geht es um die Erfahrung als solche. Dazu gehören Scham und entsprechend Tarnung – Dröscher weist eingangs auf Annie Ernaux hin –, dazu gehören die eventuell eingebildete und die garantiert nicht eingebildete Herabsetzung durch andere, dazu die Freude und die Anstrengung, dieses Leben zu führen. Das Staunen über den eigenen Weg.

Drittens müsste man jetzt alle Texte auf einmal zitieren, also vom 1. bis zum 17. Mai, aber da das nicht geht, hier einer von gestern („Tricks“), Heike Geißler: „Wenn ich unterrichte, habe ich immer das Gefühl, eine Revue zu veranstalten, die mit allerlei Showeinlagen, Lichtern und Sound da und dort davon ablenken soll, dass ich nichts weiß, nichts kann. Ich versuche, nicht zu greifen zu sein, damit mir auch niemand widersprechen oder einen Fehler nachweisen kann. Allmählich wird aus dem Kraftakt aber ein Potenzial; ich mag die Show, auch meine. (Applaus!)“

Viertens klingt das nach Twitter, stimmt. Aber es zeigt sich die Kraft der fehlenden Resonanzgelegenheit. Was hier steht, kann man nicht flugs toppen, begrüßen, unfassbar finden, wegreden. Es ist da und wartet geduldig auf den nächsten Tag, und uns bleibt auch nichts anderes übrig.

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