Ein Farmer zeigt Kaffeekirschen in Indonesien: Über die beste Weise der Zubereitung gemahlenen Kaffees gehen die Meinungen auseinander.
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Ein Farmer zeigt Kaffeekirschen in Indonesien: Über die beste Weise der Zubereitung gemahlenen Kaffees gehen die Meinungen auseinander.

Times mager

Die Büro-Kaffeefront

  • Judith v. Sternburg
    vonJudith v. Sternburg
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B trinkt nie den Kaffee von A. A hat rein gar nichts gegen den Kaffee von C. Über Verwerfungen an der Büro-Kaffeefront.

Auch in der Feuilletonredaktion der FR wird viel Kaffee getrunken. Allerdings stehen die Anzahl des Personals und die der Kaffeemaschinen im Verhältnis 1 : 1. Das dürfte eher selten sein und hat mehrere Gründe: Traditionsbewusstsein, Gewohnheit, Erziehung, Schnäppchenausnutzung, Magenbeschwerden, Einzelgängertum, Snobismus, und, ja, leider auch weitverbreitete Vorurteile gegen die einzige anständige Art, einen Kaffee zuzubereiten. Die Folge des hohen Kaffeemaschinenaufkommens ist, dass es bisweilen rattert, zischt und gluckert. Es rattert die modernistische Kapselmaschine (geht oft nicht, seltsam), es zischt das italienische Kännchen (leckt, aber was soll’s), es gluckert die Filtermaschine (verlässlich). Filtermaschinenskeptiker würden vermutlich sagen, es spotzt und platzt gleich. Verleumdung.

Die Gemengelage ist allerdings auch vielfältig gemischt. Denken Sie es sich in etwa so: A lässt sich gerne auf einen Kaffee von B einladen, B trinkt gelegentlich den Kaffee von C mit. Damit C zum Kaffee von B greift, muss schon ein dramatischer Engpass eingetreten sein, noch schlimmerer Mangel muss jedoch herrschen, damit sich C von A eine Tasse spendieren lässt. B trinkt nie den Kaffee von A. A hat rein gar nichts gegen den Kaffee von C. Wie viele Tassen am Tag muss B kochen? Nein, das war jetzt nur ein Witz, das vorher aber nicht. Es ist eine verhältnismäßig friedliche Situation. Es gab früher ein Ressort, in dem sich die Redakteure gegenseitig umrannten, um rechtzeitig die Kaffeekanne zu erreichen.

Und was ist die einzige anständige Art, einen Kaffee zuzubereiten? Aufmerksame Leser und niveauvolle Kaffeetrinker werden schon wissen, dass es sich nur um die Zubereitung mit Filtertüte handeln kann. Obwohl es Filtertütenkaffeeimitate aus anderen Maschinen gibt, ist die Filtertüte für einen wahrhaftigen Filtertütenkaffee unabdingbar. Wer in Notlagen eine Filtertüte zum zweiten Mal verwendet hat, weiß, dass das ein Mist, aber möglich ist. Wer sich auch nach Jahrzehnten nicht merken kann, welche Filtertütengröße er benötigt (102? 1 x 2? Und ist das nicht sonderbar?), hat nicht nur manche Filtertüte abgeschnitten, sondern auch mit Respekt registriert, wie sich umgekehrt zu kleine Filtertüten auszubalancieren versuchen.

Dass der Filter, ein rückläufiges Produkt, hier und quasi gegen den Willen der Filterkritiker so viel Raum für sich beanspruchen kann, verdanken wir der Tatsache, dass er vor 110 Jahren erfunden wurde, von Melitta (!!!) Bentz, die heute vor 145 Jahren auf die Welt kam. Auf der Netzseite der Traditionsfirma findet sich dieser überwältigende Satz: „Bereiten Sie die gewünschte Tassenanzahl Kaffee ganz nach Bedarf zu.“ Genau so sollte es sein im Leben.

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