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In den meisten Büroküchen sieht es ja eher so aus. Das gehört eigentlich gar nicht hierher, aber die Autorin dieser Bildunterschrift mochte die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, den Finger in die Wunde zu legen.

Times mager

Büro

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Seit den Zeiten von J. J. Voskuils bahnbrechenden „Büro“-Romanen hat sich im Büro einiges verändert. Anderes nicht. Die Feuilleton-Kolumne.

J. J. Voskuils siebenteiliger Roman „Das Büro“ wurde zu Recht auch dafür berühmt, dass man hier etwas über die Menschen lernt, die man schon längst kennt, über die man aber nie nachgedacht hat. Ironischerweise in einer dieser volkskundlichen Einrichtungen, in der Voskuil selbst dreißig Jahre lang einer Bürotätigkeit nachgegangen war. Dreißig Jahre, die er im Anschluss in mehr als 5000 Seiten Literatur transformierte. Dies ein zarter Hinweis an alle, die sich vorstellen, wie sie als Rentner vormittags im Freibad liegen und Limonade trinken werden. Oder auf dem fabelhaft eingerichteten Balkon Voskuils „Das Büro“ durchlesen (Verbrecher Verlag). Oder vormittags ins Kino gehen, falls es noch Vormittagsvorstellungen gibt.

Jedenfalls wurden die Menschen im Buch dem Publikum alsbald so plastisch, dass bei späteren Führungen durch das echte Büro (das „echte Büro“, denn echter als im Roman konnte es in echt nicht mehr werden) die Angestellten Anstecker getragen haben sollen, auf denen ihre Romannamen standen. Natürlich kann man sagen, das sei der Lindenstraßeneffekt, nur besser – die echten Personen sehen zwar anders aus, sind es aber tatsächlich –, hier jedoch soll es um etwas anderes gehen.

In „Das Büro“ geht es nämlich darum, dass Menschen permanent einander begegnen, und selbst wenn sie nicht miteinander reden, ist das ein bewusster Akt (des schlechten Benehmens, der schlechten Laune, auch der Verschrobenheit etc.). Das funktioniert auch heute noch so. Wenn man sich mal trifft. Es gibt zum Beispiel den Nachrichten-Service, mit dem man sich bequem kleine Nachrichten von Schirm zu Schirm schicken kann. Bequem ist ein relativer Begriff, aber es muss schon ziemlich bequem sein, da man alle 30 Sekunden eine neue wichtige Nachricht erhält. Sie ist dann – irgendwo.

Die Sensation in einem modernen Büro ist aber die Kaffeemaschine. Neben der Kaffeemaschine, die alles Mögliche in Sekundenschnelle herstellt, hängen Hinweise zu den Inhaltsstoffen. Nicht vergessen wurde die Rubrik Geschmack/Geruch: Milch – typisch nach Milch. Kaffee – typisch nach Kaffee (Röstnote). Schokolade – typisch, nach Schokolade. Dass ein Komma ins Geschehen hineinkommentiert, ist eine Rarität. Vielleicht gibt es so etwas nur im Büro. Vielleicht bemerkt man es nur im Büro. Das Komma sagt: Das ist ja wieder typisch für die Schokolade, nach Schokolade zu schmecken.

Wer den Nachrichten-Service und die Kaffeemaschine nicht leiden kann, der hat es heutzutage nicht leicht. Zumal der Tatort am Sonntag, dies heißt, nicht zu viel zu verraten, eine klassische Kaffeetrink- und Nicht-aufs-Handy-Guck-Szene im Büro zeigt, die das Analoge blöd dastehen lässt.

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