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Ein Glück, dass der Bücherkater nicht weiß, was sein geliebtes Reich kostet.
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Ein Glück, dass der Bücherkater nicht weiß, was sein geliebtes Reich kostet.

Times mager

Bücherzaun

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Wie gut, dass der Bücherkater nicht ahnt, was das Haus kostet, das auf dem Platz seines Bücherhauses gebaut wurde.

Der Bücherkater machte sich nichts aus dem Internet. Er interessierte sich auch nur mäßig für Immobilien. Es war ihm recht, dass es ein Haus gab, in dem er wohnen durfte, und eine Garage zum Dösen im Sommer, denn sie hatte ein warmes Dach. Manchmal ein allzu warmes Dach. Dann döste er abwechselnd auf einem der vier Gartenstühle oder sogar auf dem Gartentisch. Als Nachbar aus der zweiten Etage konnte man ihn sehen, wenn man sich an den allzu warmen Nachmittagen über die Balkonbalustrade streckte. Dann döste er da. Dann war alles in Ordnung.

Er mochte es auch, auf dem schmalen, mannshohen Holzzaun zu balancieren, von der Garage zum Hoftor. Zuweilen traf man sich dort: der Bücherkater auf dem Zaun, der Mensch auf dem Weg zum Briefkasten. Es kam vor, dass der Kater dann das Wort an den Menschen richtete. Ob er das Wetter lobte, ob er wissen wollte, was auf Seite 1 der Zeitung stand, ob er einfach nur einen guten Tag wünschte oder einen Auswärtssieg, das war Gesprächsstoff für später, denn der Bücherkater artikulierte sich gern in Rätseln.

Der mannshohe Holzzaun war einst errichtet worden, um die Blickachse nach nebenan zu brechen. Dort lagerte der Büchermann im Hof jenen Teil seines Schatzes, der nicht mehr ins Haus passte. Hunderte, Tausende Bücher in Bananenkisten. Er konnte davon nicht lassen, auch wenn es ihm auf lange Sicht nicht gelang, die Literatur mit Plastikplanen vor dem Ruin zu bewahren. Die Leute, die auf der Straße die Köpfe schüttelten über den modernden Bücherfriedhof, konnten ja nicht ahnen, dass eine Zeit kommen würde, in der viel Übleres sich ereignen sollte auf jener Seite des Holzzauns.

Diese Zeit war jetzt. Der Büchermann tot, das Bücherhaus geschleift, die alles überragenden Bücherbäume gefällt, die Büchervögel und Bücherhörnchen verjagt. Der Bücherkater jedoch, der, noch winzig damals, in einer der Bananenkisten gewohnt hatte: wenigstens sicher bei Freunden auf der anderen Seite des Holzzauns untergekommen.

Wäre der Bücherkater also ein Kenner des Internets. Und wüsste er dort den Ort, an dem er entdecken konnte, wie viel Geld die Immobilienmenschen für das Ungetüm verlangten, das anstelle des Bücherhauses und der beiden Bücherbäume gewachsen war. Dann würde er vielleicht angewidert die Pfote schütteln. Denn 1,6 Millionen Euro für diese Lage, verkehrsumbrandeter Metropolenvorort, Blick auf einen Großparkplatz – holla, die Bücherfee.

Schon kamen Leute mit getönten Brillen und Pelzmänteln in absurden Kraftwagen zum Maklertermin. Jetzt also würde sich weisen, für wessen Parkplatz die Bücherbäume gefallen waren.

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