Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Katzenfutter für den Bücherkater.
+
Katzenfutter für den Bücherkater.

Times mager

Bücherpieps

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
    schließen

Eine Tür, dahinter Leckereien? Was soll man und Kater machen, wenn man und Kater keinen Schlüssel haben?

Rituale waren keine Rituale mehr, Traditionen keine Traditionen. Alles war im Fluss. Und wo war der Bücherkater?

Seit Tagen ließ er sich nicht blicken. Normalerweise wartete er frühmorgens irgendwo ganz in der Nähe auf jene Menschen, die mit abstehenden Haaren, teils in Bademänteln, teils in Schlumpelklamotten aus dem Haus kamen. Eimer mit sich trugen. Interessant riechende Dinge in drei, vier verschiedene Tonnen warfen. Und andere, raschelnde Dinge aus dem Briefkasten holten.

Dann machte der Bücherkater dezent auf sich aufmerksam. Sein Stimmchen eine Piepsigkeit, albern fast im Kontrast zum mittlerweile doch stattlichen Körperbau. Es schien, als sei er noch leiser als zu jener Zeit, in der er das Kätzchen gewesen war, das in einem der unzähligen Bücherkartons auf dem Grundstück nebenan wohnte. Als der Büchermann noch lebte mit seinem Drang, alles, alles aufzubewahren, was Seiten zum Lesen hatte. Als das Bücherhaus noch stand. Als es noch den Bücherbaum gab mit seiner Bevölkerung, geschützt in dichtbenadelten Ästen.

Es schien, als habe es dem Bücherkater die Sprache verschlagen, als all das verschwand.

Morgens, so wollte es das Ritual, piepste der Bücherkater, ließ sich auf keinen Fall berühren, huschte aber mit ins Haus, das nun sein Basiscamp war, wo es regelmäßig etwas zu fressen gab. Geriet er an den Falschen, also an den, der oben unterm Dach wohnte, ergab sich stets die Tragik: Man würde ihn ja am liebsten mitnehmen und zum Frühstück einladen. Doch wäre der Bücherkater nie im Leben die zwei Etagen mit hinaufgestiegen. Ausgeschlossen.

Und für die Tür im Parterre, hinter der all die Leckereien warteten, fehlte dem Falschen der Schlüssel, was er mit größtem Bedauern dem hungrigen Kater zu erklären versuchte. So mussten beide auf den Richtigen warten, den mit dem Bademantel. Oder halt über die Mauer und durch den Garten kraxeln. Das ging auch. Wenn man vier Beine hatte. Und gerade in Kraxelstimmung war.

Kam jedoch der Richtige aus dem Haus, konnte er auf dem Weg zurück vom Briefkasten mit der Zeitung kaum einen Schritt vor den anderen setzen, weil ihm der Bücherkater so hingebungsvoll um die Beine strich. Rührend war das anzusehen, wenn man der Falsche war und von oben aus dem Fenster zuschaute.

In den vergangenen Tagen blieb das Piepsen des Bücherkaters morgens aus. Zu dunkel. Zu kühl. Zu nass. Wenn die kurzen Tage kamen, war er lieber drinnen. Den Napf mit den Brekkies, drüben bei den Neuen, im Millionenbau auf dem einstigen Büchergrundstück, den gab es nun auch nicht mehr. Besser war das.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare