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Schneeskulpturen anfertigen ist ein eher skurriles Hobby. Wie  Orthofers Skulpturen wohl aussehen mögen?
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Schneeskulpturen anfertigen ist ein eher skurriles Hobby. Wie Orthofers Skulpturen wohl aussehen mögen?

Times mager

Büchermann

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Einmal ist ihm ein F für grauenhaft ausgekommen. Aber sonst ist er ein milder Buchkritiker.

Was eigentlich macht Mister M. A. Orthofer, Gründer der „Complete Review“ sowie deren einziger Powerleser und Schnellschreiber? Hat er im Lockdown noch mehr Bücher pro Tag/Woche/Monat gelesen und besprochen als vorher? War er manchmal noch inlineskaten im Central Park oder Schneeskulpturen bauen (die Hobbys, zu denen er sich vor Jahren bekannte)? Hat er die Tür seiner New Yorker Wohnung zugesperrt und … siehe oben? Weiter von Luft und Lesen gelebt, Pandemie hin oder her?

Vor allem: Hat er endlich ein Einsehen gehabt und ein zweites Buch mit dem schrecklichen F bedacht, F für „abgrundtief schlecht“, für „vollkommen schrecklich“? Aber ach, da steht, unter F, immer noch seelenallein, Pierre Michons „Rimbaud der Sohn“, verrissen am 6. Oktober 2013. Dies so kräftig, dass man es sich schon fast bestellt hätte (Bibliothek Suhrkamp), um sich über ein vollkommen schreckliches Buch aufregen zu können (oder, wahlweise, über die Kritik von Mister Orthofer). Findet der am 6. Oktober 2013 ungewöhnlich heftig Erzürnte nicht, dass Michon wenigstens einen Leidensgenossen erhalten sollte, Gesellschaft in seiner Einzelzelle der Schande? Uns würden bestimmt ein paar Vorschläge einfallen.

Ganz ungewöhnlich heftig traf es Pierre Michon, denn M. A. Orthofer ist ansonsten ein Mann der Mäßigung und der Mitte, ein Mann der Literaturleidenschaft, der durchaus viele As, am liebsten wohl anerkennende Bs und B+ verteilt und der eine extra Schublade hat für Bücher, die er schlechter beurteilt hat („underrated“) als der Großteil der eingesessenen literarischen Kritik, so dass er findet, er sollte aus Fairness den Autorinnen und Autoren gegenüber darauf hinweisen.

Wann er die Zeit findet, auch noch andere Kritiken zu durchforsten und zu verlinken, ist ein Rätsel. Und natürlich gibt es auf „Complete Review“ Suchfunktion und Index. Auch wenn die Startseite eher einen Zettelkasten erwarten lässt. Unter einem handgekritzelt anmutenden Kopf (1999, bei Gründung, der letzte Internetdesign-Schrei?) steht „Ein literarischer Salon“. Sogleich stellt man sich M. A. Orthofer vor, wie er in einem Fauteuil sitzt, liest, notiert und selbstverständlich Tee trinkt (etwas Stärkeres nur am 6. Oktober 2013).

Gestern leuchtete einem 4770 entgegen – die Zahl der bisher (seit April 1999) besprochenen Bücher –, darunter 87, das sind die Texte, die sich mit einzelnen Schwerpunkten befassen, eine Übersicht bieten. Denn Mister Orthofers Motto: „Die Complete Review soll Ihr Leben vereinfachen. Es ist kein letztes Wort zu Literatur. Es ist noch nicht einmal ein letztes Wort zu den hier besprochenen Büchern.“ Vereinfachen? Na ja. Doch wünschen, dass man mehr, noch mehr lesen könnte.

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