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Bücher über Bücher.
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Bücher über Bücher.

Times mager

Bücherberg

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Denke bloß niemand, er könne den Bücherkater vertreiben, mit Baggern oder anderem.

Grundlegende Veränderungen waren noch nie im Sinne der Katzen gewesen. Und so konnte man den Bücherkater auch nur dafür bewundern, mit welcher Contenance er die Ereignisse rund um das frühere Bücherhaus zur Kenntnis nahm. Es ging seit langem um Geländeverluste.

Sicher, der Bücherkater war Umstürze gewohnt. Sie hatten ihn vorsichtig gemacht und skeptisch. Nie erlebte man, dass er eine fremde Person auf mehr als einen Katzensprung an sich heranließ. Menschen mit Maschinen hatten ihm das Haus des toten Büchermannes de facto unter den Pfoten weggerissen und die Bücherkisten, in denen er gewohnt, und den Bücherbaum, der das Leben in der näheren Umgebung am Laufen gehalten hatte.

Dann hatten sie die ehemalige Wildnis im Garten aufgeschüttet und mit Steinen als Parkplatz gepflastert. Seltsamerweise war der neue Berg so hoch, dass eine topographische Differenz von gut einem Meter zu den Gärten der Nachbarschaft entstand und mit Betonmauern gehalten werden musste. Die Leute standen vor einer Wand. Sie wunderten sich. Im einstigen Büchergarten jedoch schaute, auch wer kein Riese war, plötzlich über die Dächer der angrenzenden Garagen hinweg.

Das Bauamt kam und befand: Das ist die Höhe, der Berg muss weg, die Mauer muss weg. Kurz darauf wurde wieder die Straße gesperrt, kamen wieder die Bagger, wurden die Steine wieder abgetragen, die Erde wieder ausgekoffert auf das Niveau der alten Zeit. Je mehr übertriebenes Gelände schwand, desto mehr gewann die Vernunft an Boden.

Verkauft war inzwischen eine Hälfte des neuen Gebäudes. Es überragte nun seit vielen Monaten die Fläche des alten Bücherhauses, aber noch deutlicher überragte es die Preise, die hier je für ein Heim bezahlt worden waren. Eingezogen war noch niemand. Wildkräuter wuchsen zwischen den Bodenplatten. Das Schild des renommierten Immobilienmaklers, „Zu verkaufen“, baumelte nur noch an einem Haken schepp im Wind. Es war eine zugige Gegend für ein Millionenprojekt.

Der Bücherkater beobachtete am Morgen alles hinter einer Hecke versteckt. Abends, wenn die Männer ihren Lärm wieder mit nach Hause genommen hatten, betrat er majestätischen Schritts in seiner Eigenschaft als Bauinspektor das Gelände. Hier war er aufgewachsen. Hier hatte ihn die freundliche Nachbarin mit Dosenfisch am Leben gehalten. Hier war er von einem Baugerüst gestürzt, hier hatte er mit einer Kordel gekämpft, bis die Kordel schlapp und erschöpft liegengeblieben war. Hier wälgerte er sich jetzt aufgekratzt im Steinstaub. Was sie sich auch als nächstes würden einfallen lassen – den Bücherkater zu vertreiben, das konnte ihnen nicht gelingen.

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