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Kann die Königin ihrem Enkel Harry buchstäblich den Geldhahn zudrehen?
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Kann die Königin ihrem Enkel Harry buchstäblich den Geldhahn zudrehen?

Times mager

Buchstäblich

  • Stephan Hebel
    vonStephan Hebel
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Kann die Königin ihrem Enkel Harry buchstäblich den Geldhahn zudrehen? Nun, was wir schon, was es in einem Palast alles gibt.

Nur um das klarzustellen: Bereits im Oktober 2011 schrieb „Hutschi“ in einem Internet-Forum an „Wasserjungfer“: „,Buchstäblich‘ wird oft verwendet, um zu zeigen, dass etwas in der Originalbedeutung und nicht im übertragenen Sinn gemeint ist – zumindest teilweise, wie in folgendem Beispiel: ,Die Veranstaltung ist buchstäblich ins Wasser gefallen.‘ (Es hat zum Beispiel so stark geregnet, dass die Veranstaltung ausfallen musste.) ,Sie ist ins Wasser gefallen‘ (ohne ,buchstäblich‘, d. Red.) bedeutet lediglich, dass sie ausgefallen ist, ohne den Grund anzugeben, (zum Beispiel kann der Sänger erkrankt sein).“

Es ist nicht sehr nett von der Veranstaltung, dass sie ausgefallen ist, ohne den Grund anzugeben, und außerdem legt Hutschi hier eine Großzügigkeit an den Tag, über die noch zu reden wäre, denn er lässt das „buchstäblich“ gelten, obwohl bei der Sache mit der Veranstaltung und dem Regen ja nur „Wasser“ stimmt, aber nicht „gefallen“, denn Veranstaltungen können zwar gefallen, aber nicht fallen, es sei denn auf einen bestimmten Tag, aber nie und nimmer ins Wasser.

Interessant wäre es, wenn der Sänger buchstäblich ins Wasser gefallen wäre, ob krank oder gesund, aber dann wäre es ja gar kein Sprachbild mehr, sondern einfach passiert. Auch blöd.

Hutschi hat dennoch ein Dankeschön verdient, denn er machte bereits im Oktober 2011 mit seiner Erläuterung darauf aufmerksam, dass eine Sache eigentlich gar nicht geht, die allerdings auch bald zehn Jahre später den Gebrauch des Wortes „buchstäblich“ praktisch täglich verhunzt: „Buchstäblich kurz vor Toresschluss“, stand jüngst in der Zeitung, habe ein Politiker irgendetwas bekanntgegeben, was, tut jetzt nichts zur Sache.

Nichts gegen „kurz vor Toresschluss“, wenn „im letzten Moment“ gemeint ist, Metapher ist Metapher, voll okay. Aber „buchstäblich“? Die Sache spielte in Frankfurt am Main, und wenn nicht alles täuscht, sind die Stadttore hier schon seit mehreren Jahrzehnten oder gar -hunderten abgeschafft, was weiß ich.

Jetzt stellen Sie sich bitte noch kurz vor, wie ein Lakai der britischen Königin in irgendeinen Palast eindringt und Prinz Harry anschnauzt: Wo ist hier der Geldhahn? Harry, eingeschüchtert: Nebenan. Lakai: Dann wollen wir mal. Geht nach nebenan, dreht den Geldhahn zu, und Schluss.

Harry zu Oprah Winfrey, Monate später: „Meine Familie hat mir buchstäblich den Geldhahn zugedreht“ („Bunte“). Das Fachblatt für royale Tiefenanalyse fährt fort: „Bei dem, was der Prinz und seine schwangere Ehefrau bereits vom Stapel gelassen haben, ist dieser Aspekt wohl nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Doch dafür glüht der ganz schön nach!“ Da hat aber jemand buchstäblich Metaphern gefrühstückt.

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