Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Blick in den großen Lesesaal der New York Public Library. In diesem Sommer darf auch draußen geschmökert werden.
+
Blick in den großen Lesesaal der New York Public Library. In diesem Sommer darf auch draußen geschmökert werden.

Times mager

Buchfrei

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
    schließen

Kommen Sie in die Bibliothek, lesen Sie und sprechen Sie darüber! Ach, und lassen Sie dabei die Bücher im Zweifelsfall einfach weg! Sommerliche Buchtrends in New York.

Die Löwen Patience und Fortitude, Ausdauer und Stärke, halten, so steht es schwarz auf weiß, Bücher in den Pfoten, die zehn Kilo wiegen und mehr als 60 Zentimeter hoch sind. Auf dem Cover der Bücher steht in knallroten Blockbuchstaben die Aufforderung „Read Everywhere!“ (Die ja von den allermeisten Smartphone-Inhabern bereits beherzigt wird.) Ein künstlicher Grasteppich, der aus vermutlich nach Gebrauch biologisch abbaubaren Sojabohnen hergestellt ist, bietet einen fußweichen Untergrund. Darauf zitronengelbe Liegestühle im 50er-Jahre-Swimmingpool-Look.

Und außerdem dankt die New York Public Library (NYPL) der Firma Santa Barbara Designs für nach Maß gefertigte Doppeldecker-Sonnenschirme: „Gebaut, Sonne und Wind zu widerstehen“ wie auch „dem kritischen Auge einer Elitekundschaft“.

New Yorks zentrale Stadtbibliothek in der 42. Straße („die wohl bekannteste Bibliothek der Welt“) hat diese Woche vor ihren Türen einen Sommer-Lesesaal eröffnet. Menschen sollen sich dort, unter den maßangefertigten Sonnenschirmen, über ihre Lieblingsbücher austauschen, mündlich oder via Pinnwand. An jedem Wochentag wird zudem ein anderer Imbisswagen dort parken, von Phil’s Steak über Souvlaki GR bis Kimchi Taco. Freilich, lesen soll man im Sommer-Lesesaal schon auch, denn lesen, so schreibt es die NYPL auf ihrer Homepage, „ist die ultimative Flucht“.

Seltsam: die große Buch-Schmelze

Zunehmend denken jene, die die Public Library lange Jahre für die wissenschaftliche oder künstlerische Recherche nutzten, an eine andere Art von Flucht, nämlich die in eine andere Bibliothek. Die der Columbia University ist nicht weit.

Pläne, den Architekten Norman Foster die NYPL für eine halbe Milliarde Dollar entkernen und umbauen zu lassen, wurden zwar im vergangenen Jahr aufgegeben. Aber in Vorbereitung wurden tonnenweise Bücher – drei Millionen – ausgelagert nach New Jersey, wurden ganze Regalreihen leergeräumt.

Sie sollen leer bleiben, wie Bibliothekspräsident Tony Marx seinen Kritikern (darunter die Schriftsteller Mario Vargas Llosa, Salman Rushdie, Donna Tartt, Colm Tóibín, Jonathan Lethem, Peter Carey, Amitav Ghosh) kühl mitteilte. Und Marx begründet die dauerhafte Auslagerung: Er wolle in seinem Haus „Bücher durch Menschen ersetzen“. Vermutlich meint er damit: die Besucherzahlen steigern.

In Wirklichkeit erfindet Tony Marx gerade im Land der Light-Produkte ein weiteres: die Bibliothek light. Und alle singen im leeren Lesesaal: Like books in the sunshine.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare