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Segway-Fahrer sahen immer aus wie Kreuzfahrtschiffstouristen mit Seekrankheit und Rückenschmerzen.

Times mager

Brumm

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Er ruhe in Frieden: Die Produktion des Segway wird eingestellt, auf dem man nur unelegant aussehen konnte.

Verlässlich sagte die Großmutter „Guck mal, der sitzt wie der Aff’ auf dem Schleifstein“, wenn jemand schief/krumm/bucklig auf dem Rad/Mofa/Moped vorbeifuhr. Und das Kind hatte ein armes Äffchen vor Augen, wie es ja gar nicht anders als schief/krumm/bucklig, dazu strampelnd versuchen kann, sich auf einem Ding zu halten, das sich auch noch dreht und wie geschwind – so dass dem Äffchenhinterteil ganz warm wird.

Bei den genannten Zweirädern lag es am Chauffeur, ob er sportlich/lässig/gar supercool rüberkam; mancher Frau auf dem Rad flatterte der Rock so gut gelaunt hinterher, dass das Kind dachte, sie müsse ein Filmstar sein. (Ja, so lang ist das schon her, dass die meisten Radfahrerinnen noch Rock trugen, manche übrigens auch Kopftuch.)

Und dann waren da die jungen Italiener, neugierig beobachtete „Gastarbeiter“, die in der „Skifabrik“ genau das herstellten, was draufstand. Die hockten zwar auf ihrem Moped, als wollten sie die Oma zu ihrem berühmten Satz herausfordern, aber dabei lachten sie die Oma und das Kind an, dass das Kind, kaum war es ein bisschen älter geworden, sich in den oder jenen Luigi, Gabriele und Giovanni auf der Stelle verliebte. Noch ein bisschen später verglich es Luigi mit James Dean, da kamen Moped, Haltung und sogar das Lächeln nicht mehr ganz so gut weg.

Nullundgarnicht verliebt hätte sich das Mädchen (bzw. wäre es damals noch: lieber ins Kloster gegangen als...), wäre der Segway unter den italienischen Skibauern der letzte Fortbewegungsschrei gewesen. Der Segway aber war erstens noch nicht erfunden, zweitens hätten es die Jungs einfach besser gewusst: Denn einer, der auf einem Segway steht, kann nur stehen, als habe er einen Stock tief in einem bestimmten Körperteil stecken. Und freihändig fahren, eines gewissen Lässigkeitsausgleichs wegen, geht auch nicht. Man steht also hinter einer Stange, klammert und starrt geradeaus – kommt da ein Schlaglöchlein, eine Trottoirschwelle?

Segway-Fahrer sahen immer aus wie Kreuzfahrtschiffstouristen mit Seekrankheit und Rückenschmerzen: modisch herausgefordert, bleich und irgendwo zwischen schlecht erhaltenen 87 und gut erhaltenen 107.

Sahen? Es kam jetzt nämlich die Meldung, dass die Produktion des „zweirädrigen Steh-Scooters“ eingestellt wird. Daran ist vor allem ein anderes zweirädriges Gefährt schuld, heißt es, der E-Scooter. Ist doch klar: Man kann supercool oder bucklig, auf jeden Fall jung geblieben draufstehen, ist ja nur ein Brett, von dem sich in jedem Augenblick ein Fuß runtersetzen lässt. Und wenn keine Mithörer in der Nähe sind, kann der Rollerfahrer „brrrumm, brrrumm, brrrumm“ machen wie das Kind, das er mal war.

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