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Times Mager

Brüder

Die Zeitschrift Sinn und Form bringt den Briefwechsel Gershom Scholems mit Ernst Jünger heraus. Der Ästhet des Schreckens schreibt an den jüdischen Mystiker? Von Ina Hartwig

Von INA HARTWIG

Bewegt" sei Gershom Scholem gewesen, als er Post von Ernst Jünger erhielt. Es war eine graue schlichte Karte, datiert auf den 16. Februar 1975, in Wilfingen abgeschickt nach Jerusalem, wo Scholem seit 1923 lebte. Die Zeitschrift Sinn und Form bringt in ihrer neuesten Ausgabe (Mai-Juni) erstmals den Briefwechsel dieser so ungleichen Männer heraus, kommentiert von Detlev Schöttker. Der Ästhet des Schreckens schreibt an den jüdischen Mystiker?

Widersacher sind Ernst Jünger und Gershom Scholem zwar nicht, aber dass der Ton zunächst vorsichtig-zögernd ist, verwundert dann doch nicht. Und sehr tief steigen sie auch nicht ein in ihre Obsessionen, ihr Werk, ihre Gedanken. Aber eben weil ihre geistigen Sphären so gar nicht zueinander neigen, ist diese Korrespondenz, die 1981, zwei Jahre vor Scholems Tod, abbricht, dann doch ein kleines Ereignis.

Der Grund für Jüngers Kontaktaufnahme war dieser: "öfters stosse ich in der Presse auf Ihren Namen und frage mich, ob Sie mit einem meiner Schulkameraden identisch sind." Scholem antwortet prompt: Er sei es nicht, der 1914 in Hannover zur Schule gegangen sei. Aber sein Bruder Werner habe in der fraglichen Zeit an fraglichem Ort sein "Abiturium" vorbereitet - weit weg von Berlin, "nach schweren Auseinandersetzungen mit unserem Vater über seine sozialdemokratische Betätigung".

Jünger retourniert schmeichelnd, sein Bruder sei fast der einzige unter seinen Klassen-Kameraden, an den er sich erinnere; er habe außergewöhnlich erwachsen gewirkt mit seinem ironischen Lächeln. Jünger erzählt dann hübsche Pennäler-Anekdoten, die klar machen: Werner Scholem, der später Reichtstagsabgeordneter werden sollte, war schon als Schüler eine Persönlichkeit.

Dass sein Bruder unmittelbar nach dem Reichstagsbrand verhaftet und 1940 in Buchenwald ermordet wurde, muss Gershom Scholem dem früheren Wehrmachts-Offizier Jünger erst mitteilen; dieser hatte angenommen, Werner wäre rechtzeitig aus Deutschland abgereist. "Die Einsicht in die eigene Lage gehörte nicht zu den starken Seiten der deutschen Juden", resümiert Gershom Scholem scheinbar abgeklärt. Er selbst hatte sein Heimatland schon früh verlassen; als Zionist, nicht als Flüchtling.

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