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Von: Sylvia Staude

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Stephen Colbert, dem Late-Night-Talker, verdanken wir eine überwältigende Sammlung von Schimpfnamen für Trump.
Stephen Colbert, dem Late-Night-Talker, verdanken wir eine überwältigende Sammlung von Schimpfnamen für Trump. Ein dankbares Feld für Malediktologinnen. © Chris Pizzello/dpa (Archiv)

Augen auf bei der Berufswahl. Malediktologin wäre gut gewesen, aber hinterher ist man immer schlauer.

Wenn man bei der Berufswahl besser aufgepasst hätte, wäre man doch eher – also: eher als Journalistin – Beuteltierzählerin auf Tasmanien geworden (ja, diesen Job gibt es). Oder, wenn einem der Tasmanische Teufel doch zu … teufelig geklungen hätte (obwohl er nicht schlimmer sein kann als mancher Leserbriefschreiber), dann Feldhamster-Forscherin im Rhein-Main-Gebiet. Gern auch Streuobstwiesen-Streuobstbäume-Zählerin. Oder Vorkosterin für Produkte wie Mousse au chocolat, Bismarckbrötchen, Eiscreme – solange es nicht die Sorte Pistazie ist.

Am liebsten aber wäre man gewiss Malediktologin geworden, wenn man als Kind, Teenager oder spätestens Studentin einen Wink bekommen hätte (wo ist eigentlich die Berufsberatung, wenn man sie braucht?), was dieses nach Harry-Potter-Zauberspruchmaterial klingende Wort bedeutet – und dass man sich auch als weiblicher Mensch, eine gewisse Robustheit vorausgesetzt, beruflich für die Malediktologie entscheiden kann. So furchtbar weit wäre man ja nicht weg gewesen vom Thema als Studentin der Anglistik und Germanistik, denn bei der Malediktologie, der Wissenschaft vom bösen Sprechen, handelt es sich, anders als beim Beuteltierzählen oder Vorkosten, immerhin um eine Geisteswissenschaft. Und es braucht unbedingt eine Sprache, um in ihr schimpfen und fluchen zu können.

Denn die Malediktologie, Sie ahnen es schon, ist die Schimpfwortforschung. Ein weites Feld, schon seit einigen Jahren vielleicht weiter denn je. Andauernd könnte man als Malediktologin einen Block zücken, um zum Beispiel zu notieren: Kackbratze. Dazu in Klammer die Situation des Auffindens: Nachbarin im Hausflur über Putin. Die K. ist einerseits eindeutig, niemand wird es für ein Kompliment halten. Sie ist andererseits diskriminierungsfrei wie die Pissnelke, der Vollpfosten, Dummbeutel oder der Eierschalensollbruchstellenverursacher bzw. die -verursacherin – obwohl letzteres von einer Malediktologin vermutlich in die Kategorie „originell, aber zu lieb“ einsortiert werden sollte. Denn muss ein gekochtes Ei nicht irgendwo geöffnet werden, sinnvollerweise an einer Sollbruchstelle?

Late-Night-Talker Stephen Colbert, als er irgendwann aufhörte, den Namen Trump auszusprechen, forderte sein Publikum auf, ihm Schimpfnamen für T. zukommen zu lassen. Das Ergebnis ist immer noch überwältigend, Show für Show: Clowningula, Mar-a-Lardo, Commander in Cheese, The Floridian Fondler, Covfefool oder auch Voldemoron wurden eingesandt. Über Putin lässt sich nicht so oder so ähnlich spaßen, nicht einmal das.

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