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Nur dank der drei berühmten Brontë-Schwestern kennen wir ihren Bruder Branwell.

Times mager

Die Brontës: Gedenken

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Geschichte vom Sohn, von dem wir nichts wüssten ohne seine Schwestern.

Dreimal im Jahr denken wir an Branwell Brontë, und zwar am 17. Januar, am 21. April (!) und am 30. Juli. Nein, am 26. Juni meistens nicht, da sind wir abgelenkt durch wer-weiß-was.

Aber was hat das zu bedeuten? Die Geschichte der Brontës ist berühmt, und die Tragödie ergibt sich aus den Daten. Charlotte Brontë 21.4.1816–31.3.1855, Branwell Brontë 26.6.1817–24.9.1848, Emily Brontë 30.7.1818–19.12. 1848, Anne Brontë 17.1.1820–28.5.1849. Dazu die Mutter Maria, 1783–1821, der Vater Patrick, 1777–1861.

Wer sich dafür nicht interessiert, geht auch an Grabsteinen achtlos vorüber. Vielleicht zu Recht, denn das ist alles so lange her und aus der Entfernung relativiert es sich. Andere bleiben stehen und machen sich eine Notiz. „Peter M. 1879–1955, Louise M. 1880–1968, Maria M. 1910-1919, Gottfried M. 1913-1936, Paul M. 1909-1942“. Bemerkenswert, wie gut hier der Grabstein eingerichtet ist. Entweder wurden schon Lücken gelassen – wenn auch nicht für Paul –, oder später (aber wann?) wurde für Ordnung gesorgt mit Hilfe eines neuen Steins. Es könnte weitere irrsinnig betagte Geschwister geben, Nachzügler. Dass Paul nicht vor Maria und Gottfried steht, bleibt eigenartig.

Das Schicksal der Brontës, namentlich des Vaters, der seine Frau und sechs Kinder überlebte (zwei Mädchen starben noch jünger, aber nicht als Babys, sondern unter unerträglichen Zuständen in einem Internat), ist also berühmt, aber nicht einmalig. Von Branwell, dem Sohn, wüsste man nichts ohne seine Schwestern, die wenig Zeit hatten, Bücher zu schreiben, aber diese Zeit nutzten. Branwell hingegen wurde Maler. Er galt als begabt und bekam eine gute Ausbildung. Man kann wohl nicht sagen, dass ihm das Glück der anderen geopfert worden wäre, aber die Erwartungen waren groß und erfüllten sich nicht. Jeder kennt das Bild, auf dem er sich zwischen den Schwestern gemalt und später wieder entfernt hat, offenbar in verzweifelter Stimmung. Das Loch, eine geisterhafte Säule: schaurig bis heute. „Manchmal fürchte ich, dass er nie zu etwas nütze sein wird“, schreibt Charlotte 1845 einer Freundin. Große Schwestern haben meist recht, aber sie sind auch hart drauf.

Branwell versinkt in Alkohol und anderem. Dass er ernsthaft erkrankt, bleibt darum zunächst unbemerkt. Dreimal im Jahr denken wir an ihn, an die Kompliziertheit des Lebens, daran, wie leicht es missrät und wie schnell es vorbei ist.

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