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„Roll das Fass mal rein“ - in Fässern kommen alkoholische Getränke reingerollt.

Times Mager

Bots

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Heute erzählt die Feuilleton-Kolumne von singenden niederländischen Bots und von den anderen, bei denen wir misstrauisch sind.

Was wollen wir trinken, sieben Tage lang?, fragte eine niederländische Band namens Bots in den Siebzigerjahren, was wollen wir trinken, so ein Durst. Wofür sich die Musiker letztlich entschieden, bleibt Zuhörenden bis heute verborgen, solange sie den Song werkimmanent interpretieren. Hauptkriterien laut Liedtext: Es sollte genug für alle sein, und getrunken werden sollte zusammen, nicht allein. Dass es sich mitnichten um koffeinhaltige Brause handelte, belegt der Satz: Roll das Fass mal rein.

Cola wird nicht in Fässern geliefert. In Fässern kommen alkoholische Getränke reingerollt. Sie merken schon: Jetzt müssen wir uns langsam Sorgen machen. Sieben Tage lang gemeinsam Wein, Bier oder, was wissen wir schon, Whisky? Sherry? Jedenfalls: Sieben Tage lang geisthaltige Gluckereien schlürfen, das ist womöglich nicht gesund. Das könnte in ein Gelage unter Missachtung der Abstandsregeln ausarten.

Zumal die Zahl der Mittrinkenden und der Fässer im Dunkeln liegt. Gibt es ein Fass und, sagen wir, 179 Durstige: o. k. Wird stets ein neues Fass reingerollt, sobald das alte leer ist, und lediglich zwei Personen mit roten Nasen harren seines Inhalts: nicht o. k. Bei nur einem Fass für 179 lederne Zungen wären wir allerdings schnell wieder bei der Ausgangsfrage mit den sieben Tagen.

Ein schlüssiger Hinweis auf das verwendete Gebräu findet sich in der Genese des Songs, der ursprünglich aus der Bretagne stammt, dort 1929 unter dem Titel „Son ar chistr“ komponiert, aber erst vor knapp siebzig Jahren veröffentlicht worden sein soll. „Lied vom Cidre“, wie die Altbretonen unter Ihnen sicher längst übersetzt haben. In der Rückschau, so auch hier, werden die Dinge oft klarer. Der Kopf am achten Tag eventuell nicht. Cidre ist bekanntlich der Apfelwein von Leuten, die nicht keltern können.

Der Bandname Bots rühre von Niederländisch botsen = zusammenstoßen her, behauptet das Internet. Heutzutage löst er Argwohn aus, denn ein Bot ist mittlerweile einer, der automatisch agiert und agitiert, nicht immer zum Wohle aller, sondern häufig unbotmäßig, auch wenn das jetzt wieder paradox klingt. Ein Bot ist eine Art Antwortroboter. Wer beispielsweise im Kurznachrichtendienst Twitter „Notiz an mich selbst“ eintippt, erhält Antwort vom „Notiz-an-mich-selbst“-Bot. Moment. Gleich. Erhielt man jedenfalls früher. Jetzt offenbar nicht mehr. Bots sind auch nicht mehr, was sie mal waren.

Im Lied der durch und durch menschlichen Bots aus Holland wird übrigens erst mal zusammen getrunken, dann wird zusammen geschafft, und am Ende wird miteinander gestritten. Sinnvoller wäre es womöglich andersherum. Proost – op jullie gezondheid.

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