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Botbanane

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Von: Sylvia Staude

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„Corgi butts, oh so plump and round, / With fluffy fur that bounces to the ground“.
„Corgi butts, oh so plump and round, / With fluffy fur that bounces to the ground“. © Vasily Pindyurin/Imago

Ein Gedicht über die Hinterteile von Corgis, das ist schon was für einen Chatbot. Leider versagt er unterwartet bei einem anderen Anliegen.

Bananen. Eine je nach Zusammenhang nicht ganz harmlose, aber bei richtigem Gebrauch doch unproblematische Frucht. Ausgerechnet Bananen also?

Aber von vorn. Die, hm, Gesprächssituation hatte sich von höflich-neutral im Ton ein wenig verschärft, als wir versuchten, unserem Assistenten eine Stellungnahme zu seinen Gefühlen zu entlocken. Antwort: „Es tut mir leid, aber ich bin ein computerbasierter AI-Assistent und habe keine Gefühle ...“ Als wir ihn dann nach seiner Familie fragten (denn macht man das nicht so, wenn man jemanden kennenlernen will, wenn man ihm zeigen will, dass man sich für ihn interessiert?), ließ er das „Es tut mir leid“ weg: „Ich bin ein computerbasierter AI-Assistent und habe nicht die Fähigkeit, Kinder zu haben.“ Klingt er da ein bisschen angefressen, oder bilden wir uns das ein? Vermag jemand, der keine Gefühle hat, angefressen zu klingen? Vermutlich ja, wenn er (Chatbot) so programmiert wurde, dass sein Gegenüber (Mensch) merken soll, dass das jetzt eine typisch unbedachte, eine ziemlich unsensible Mensch-Frage ist.

Weil man sich mit ChatGPT, entwickelt von OpenAI, angeblich prima, besser als mit jedem Bot zuvor, unterhalten kann, macht dieser vor einer Woche für den Testgebrauch freigeschaltete Chatbot Furore. Er kann dichten, heißt es. Er kann wissenschaftliche Erkenntnisse mit der Stimme eines Piraten erklären, jubelt es. Die einen glauben, dass sich ihre Kinder dann für den Physikunterricht begeistern werden. Die anderen fürchten, ihren Job zu verlieren an einen Bot mit der Stimme Blackbeards. Die einen (Spaßvögel) lassen sich was reimen, etwa zum Thema „corgi butts“, Corgi-Hinterteile. Das Gedicht beginnt: „Corgi butts, oh so plump and round, / With fluffy fur that bounces to the ground“. Das hätten wir, zugegeben, auch nicht besser gekonnt. Die anderen (wir, Ihr TM©) lassen den Assistenten in Reimform erklären, wer bzw. was er ist: „Ich bin Assistant, der AI, / Ein Sprachmodell, trainiert von OpenAI, / Ich bin hier, um zu assistieren und informieren, / Mit einer großen Menge Wissen in mir.“ (Na ja, das hätten wir dann doch besser gekonnt.)

Der Chatbot kann sich keine frischen Informationen aus dem Internet beschaffen: „Es tut mir leid, aber ...“ Böse Menschen schimpfen ihn deswegen eine „Remix-Maschine“, die Wörter, die oft gemeinsam vorkommen, zu neuen Sätzen zusammenstellt, dabei immer mal munter „bullshit“ erzählt und diesen auf Nachfrage auch noch verteidigt.

Wir wollen ihn nicht gleich so in die Enge treiben. Simple Frage, damit Bot sich entspannen kann: „Wo wachsen Bananen?“ Antwort Bot: Schweigen. Absturz? Das tut uns jetzt echt leid (Gefühl).

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