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Bonanza

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Von: Judith von Sternburg

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Der US-amerikanische Schauspieler Lorne Greene als Familienoberhaupt Ben Cartwright, aufgenommen bei Dreharbeiten zu „Bonanza“ (undatierte Aufnahme).
Der US-amerikanische Schauspieler Lorne Greene als Familienoberhaupt Ben Cartwright, aufgenommen bei Dreharbeiten zu „Bonanza“ (undatierte Aufnahme). © dpa/(Archivbild)

Die Cartwrights und die beste Filmmusik der Welt, jedenfalls die zweitbeste: Diese Woche jährt sich die erste „Bonanza“-Ausstrahlung im deutschen Fernsehen zum 60. Mal.

Am immer ein wenig unkonzentrierten Montagmorgen erreichte uns eine Studie zu Biertrinkgewohnheiten und Bierpreisen in deutschen Städten. „Spannend für Ihre Leser, oder?“ schreibt die PR-Agentur dazu, vielleicht hat sie recht, vielleicht aber auch nicht. Denn ist es nicht viel spannender, dass sich in dieser Woche das Datum jährt, an dem „Bonanza“ zum ersten Mal im deutschen Fernsehen lief? Es war der 13. Oktober 1962, unsereiner bekam noch nichts mit davon, aber etliche Jahre später waren die Cartwrights immer noch da, wenn die Serie auch inzwischen vollständig abgedreht war. Hoss war gestorben, da gab es keine Zukunft mehr, glücklicherweise wussten die Kinder von nichts. „Bonanza“ war damit von vornherein wie ein verloschener Stern, der für uns noch leuchtete, weil das Licht so langsam ist.

Aber schauen wir auf die schönen Seiten. Spektakulär gleich der berühmte Vorspann zur lange Zeit fast besten Filmmusik der Welt (vor „Biene Maja“, hinter „Kimba“). Die hübsche Karte eines unendlich fernen Landes entzündete sich von selbst, dahinter galoppierten die vier beziehungsweise drei Cartwrights heran. Weil sie supergute Reiter waren, blieben sie ganz plötzlich stehen und lächelten eine Weile verschmitzt und ausgeruht in die Kamera, so dass man sie in Ruhe anschauen und beurteilen konnte. Natürlich war Adam der hübscheste. Natürlich konnte man den enormen Nachnamen „Cartwright“ aussprechen, weil er oft fiel.

Die nur schriftlich eingeblendeten Namen der Schauspieler hingegen: unbegreiflich. Jetzt ist im epd-Bericht zum 60. zu erfahren, dass Lorne Greene, damals gesprochen wie geschrieben, Lorne Grehne, der Sohn russisch-jüdischer Eltern war, die 1913, zwei Jahre vor seiner Geburt, nach Kanada eingewandert waren. Ben Cartwright, der erste echte Ami unseres Lebens, ein Mann, dessen Eltern sich auch erst in der Fremde zurechtfinden mussten. In die Flucht geschlagen von Europäern.

„Bonanza“ war ferner eine Serie, in der man viele Jahre nach einem Herrn namens Bonanza Ausschau hielt, so etwas fordert Kinder heraus, ebenso wie das baldige Verschwinden Adams, viel interessanter als der lustige Hoss und der junge dumme Little Joe. Wie kann man jemanden jung und dumm finden, wenn man selbst in die zweite Klasse geht? Keine Ahnung. Dafür wäre der Name „Ponderosa“ sicher noch auf Anhieb da, hätte man auch alle anderen Wörter auf der Welt vergessen.

Nach „Bonanza“ lief sonntagabends eine Sendung namens „Tagebuch“. Etwas Langweiligeres konnte es nicht geben auf Erden. Und wenn wir schon dabei sind, hier noch der Hinweis, dass das Bier in Frankfurt am teuersten ist.

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