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Frauen beim Bohnern in dem Film „Zu Befehl, Frau Feldwebel“.
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Frauen beim Bohnern in dem Film „Zu Befehl, Frau Feldwebel“.

Times mager

Bohnern

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Heute: was so alles in der Abstellkammer steht. Und warum das schade ist.

In jüngster Zeit häufen sich die Freitag- und Samstagabende, an denen man mit einem Radiosender in der Küche sitzt. Einem Sender, der erklärtermaßen nicht die aktuellste Musik spielt. In Extremfällen ist zusätzlich eine Jogginghose zugegen. Vor 40 Jahren hätte niemand im näheren Umfeld geglaubt, dass das passieren würde. Vor 40 Jahren ging aber auch noch niemand im näheren Umfeld davon aus, dass das Leben in 40 Jahren noch einen erkennbaren Sinn haben würde, weil: too old to rock’n’roll.

Vor 40 Jahren war es auch noch üblich, dass die Böden, auf denen man häufig zu tun hatte, regelmäßig gebohnert wurden. Es standen im Kindergarten, in der Schule sowie beispielsweise im Dienstgebäude der Bundesanstalt für Landwirtschaftliche Marktordnung andauernd Schilder: „Vorsicht, frisch gebohnert“, das gehörte zum Leben dazu.

Die Erinnerung daran, ob je ein Bekannter oder eine Verwandte im Krankenhaus eingegipst worden sein könnte, Ursache: auf frisch gebohnertem Grund ausgeglitten, sie ist vollkommen verblasst. Aber es muss höllisch glatt gewesen sein. Wozu sonst all die Schilder?

Der Begriff bohnern ist aus unserer Welt und von unseren Warnschildern verschwunden. Er ist so alt, dass ein modernes Medium wie das Onlinelexikon Wikipedia auf eine Beschreibung des Bohnervorgangs aus Meyers Konservationslexikon, 4. Auflage 1888–1890, zurückgreift und darunterschreibt, dieser Hinweis möge erst dann entfernt werden, wenn der Artikel übers Bohnern so weit überarbeitet sei, dass er „den aktuellen Wissensstand zu diesem Thema widerspiegelt, dies belegt ist und er den heutigen sprachlichen Anforderungen genügt“. Was bis gestern Abend nicht der Fall war. Vielleicht kommt morgen eine Renaissance des Bohnerns. Die Welt war ganz in Ordnung, als noch tüchtig gebohnert wurde.

Bohnern hieß Wachs auftragen und maschinell polieren. Der Vorgang war nur mäßig laut. Man durfte manchmal auf dem Bohnergerät mitfahren, wenn man noch klein genug war. Also in der Bundesanstalt dann nicht mehr.

Seit ungefähr 40 Jahren, seit der Zeit des Bohnerns und der Kompositionen, die heute in den Radiosendern laufen, die wir in der Küche sitzend hören statt mit einer offenen Bierflasche auf einer S-Bahn-Brücke (die es allerdings auch nicht mehr gibt) – in all den Jahren bin ich davon ausgegangen, dass der Begriff „heimzugs“ existiere, bis ein klügerer Mensch vor drei Wochen genau hier an dieser Stelle daraus machte: heimzu.

Tatsächlich. Es heißt heimzu, was dachtest Duden? Der Begriff heimzugs steht jetzt mit den Schildern „Vorsicht, frisch gebohnert“ in einer Abstellkammer und hört Musik, die es früher mal gab.

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