1. Startseite
  2. Kultur
  3. Times mager

Böser Fuchs

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sandra Danicke

Kommentare

Kintsugi  scheint nur bei Keramik zu funktionieren.
Kintsugi scheint nur bei Keramik zu funktionieren. © Sergei Karpukhin/Imago

Wäre es nicht schön, wenn man unliebsame Teufel in einen Felsen sperren könnte? In Japan ist gerade ein solcher Platz frei geworden.

Bekanntermaßen gibt es in Japan eine tolle Methode, um zerbrochene Gefäße nicht wegschmeißen zu müssen. Man klebt sie mit Urushi-Lack zusammen und markiert die Bruchstellen mit einer speziellen Masse, der Goldpulver beigemischt wird. Man tut also nicht so, als sei der Bruch nicht passiert. Man tut so, als sei das Gefäß dadurch noch wertvoller geworden. Kintsugi heißt die Methode, über die auch in deutschen Medien schon häufig berichtet wurde, allerdings scheint sie nur bei Keramik zu funktionieren.

Unlängst nämlich ist in Japan, genauer: in der Nähe von Tokio, ein Fels zerbrochen, und die Aufregung ist immens. Es handelt sich nämlich um den Sessho-Seki, auch Todesstein genannt. Mit Sessho bezeichnet man im Buddhismus die Zerstörung von Leben und damit eines der schlimmsten Vergehen. Der Legende nach enthielt dieser Stein den verwandelten Leichnam von Tamamo-no-Mae, eine bildschöne Frau, die Teil des geheimen Plans eines feudalen Kriegsherrn war, um Kaiser Toba zu töten, der von 1107-1123 regierte. Die wahre Identität der Frau soll ein böser neunschwänziger Fuchs gewesen sein, dessen Geist in dem Lavabrocken eingesperrt war - bis vor ein paar Tagen.

Während einige nun spekulieren, dass der dämonische Geist von Tamamo-no-Mae nach fast 1 000 Jahren wieder auferstanden sei, berichteten lokale Medien, dass bereits vor einigen Jahren Risse im Felsen entstanden seien, durch die womöglich Regenwasser ins Innere gedrungen sei, was die Struktur geschwächt habe. Wie die Tageszeitung „Shimotsuke Shimbun“ schreibt, wollen sich jetzt lokale und nationale Regierungsvertreter treffen, um das Schicksal des unter Denkmalschutz stehenden Steins zu besprechen. Die Zeitung zitierte einen Beamten der Tourismusbehörde von Nasu mit den Worten, er würde es begrüßen, wenn der Sessho-Seki in seiner ursprünglichen Form wiederhergestellt würde. Ob mit oder ohne Goldrand, sagte er nicht.

Einige vertreten die Ansicht, dass es nur folgerichtig sei, wenn darin wieder ein dämonischer Bewohner eingeschlossen würde. Doch woher nimmt man den? Wir hätten da eine Idee. Vermutlich ahnen Sie, welchen zeitgenössichen Dämon wir gerne in den Felsen verbannen würden. Wenn man bloß sicherstellen könnte, dass der Felsen danach nicht nochmal zerbricht.

Auch interessant

Kommentare