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Böööp

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Von: Sylvia Staude

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Limo aus Regenwurmurin: Ein Luxusprodukt oder ein Verstoß gegen die guten Sitten?
Limo aus Regenwurmurin: Ein Luxusprodukt oder ein Verstoß gegen die guten Sitten? © imago

"Fack Ju Göhte" verstößt als Markenname gegen die guten Sitten? Da lässt sich Abhilfe schaffen.

In einer Welt, die durch die beträchtlichen Anstrengungen eines einzelnen Mannes immer ruppiger wird, scheint trotzdem das lobenswerte Bestreben zu herrschen, dieselbe vor Ruppigkeit zu schützen. Dieses sowohl mit Blick auf Handlungen – etwa die Hand auf dem Knie –, als auch auf Sprache. Letzteres besonders im Land des Mannes, der alles sagen darf; aber wenn es ein Nachrichtensprecher oder eine Moderatorin aus Informationsgründen wiederholen, hört man nur „Böööp“ oder „Meeep“.

Ein Böööp oder Meeep hat gerade das erstinstanzliche Gericht der Europäischen Union (EuG) in Luxemburg ertönen lassen, in übertragenem Sinn. Die Nachrichtenagentur dpa meldet: „Der Filmtitel ,Fack Ju Göhte‘ kann nicht als Wortmarke geschützt werden. Denn die Wendung ,fuck you‘ oder ,fack ju‘ ist zu vulgär und verstößt gegen die guten Sitten (...). Kleidung oder Kosmetikprodukte unter dieser Marke könnten die Verbraucher schockieren.“ Den Titel des höchst erfolgreichen Films als EU-Marke eintragen lassen wollte die Constantin Film, der Markenschutz sollte, „unter anderem“, heißt es, „für Körperpflegeartikel, Schmuck, Schreibwaren, Kleidung, Spiel- und Sportartikel, bestimmte Lebensmittel und Getränke“ gelten. Man kann sich einerseits kaum vorstellen, was einen zum Kauf einer Limonade veranlassen könnte, die „Fack Ju Göhte“ heißt (wie soll die denn schmecken, nach „Blut ist ein ganz besondrer Saft“? Nach dem Götz-Zitat?). Andererseits: Die Käufergruppe, auf die ein solcher Name zielte, würde angesichts des Wapperls nicht mit der Wimper zucken. Selbst dann nicht, wenn die Limo aus Regenwurmurin mit Läusepupsen bestehen würde. Gerade dann nicht.

Die Constantin Film könnte es aber auch mit Dezenz, Anspielungen, ja Poesie probieren. Erst kürzlich haben einige der Länder, die von dem obenerwähnten Mann mit einem besonders bösen Schimpfwort bedacht worden waren, vorgemacht, wie man den Sachverhalt, dass ihre Einwohner teils sehr arm sind, höflicher formuliert. Den ersten Preis hätte Taiwan erhalten müssen (das noch nicht mal gemeint war), wäre dies ein Wettbewerb gewesen: „Länder, in denen Vögel keine Eier legen.“ Vorbildlich insofern, als die Richtung stimmt, jeder Nicht-Taiwanese aber erstmal „Hä?“ und keineswegs erschrocken „Meeep“ sagt.

Vorschläge: „Einem Dichter ans Herz legen, für eine Weile zu verreisen“. „Einen Dichter wissen lassen, dass es sich in Taiwan besser dichtet“. „Einen Dichter darauf hinweisen, dass man auf seine Schriften ungern, aber notfalls verzichten würde“. Die Bierflaschen- oder T-Shirt-Etiketten müssten größer sein, das ist klar.

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