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Thomas Bockelmann, hier beim Karlsaue Sommernachts Open Air in Kassel.
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Thomas Bockelmann, hier beim Karlsaue Sommernachts Open Air in Kassel.

Times mager

Bockelmann

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Thomas Bockelmann, ein ausgezeichneter Theatermacher und guter Typ, war 17 Jahre lang Intendant am Staatstheater Kassel.

Kassel ist eine gelegentlich unterschätzte Stadt von sehr eigener Schönheit, und sie ist von Frankfurt aus gut, aber nicht optimal erreichbar. Von Frankfurt aus erwartet man aber, dass andere Städte optimal erreichbar sind. Alles andere kommt einem umständlich vor. Man ist es nicht gewöhnt und wohnt ja selbst schon in einer gelegentlich unterschätzten Stadt von sehr eigener Schönheit. Freitags fährt der letzte ICE von Kassel-Wilhelmshöhe um 22.23 Uhr, für einen Theaterabend ist das knapp kalkuliert. Anschließend braucht man zweieinhalb bis vierdreiviertel Stunden mit null- bis viermal Umsteigen. Vierdreiviertel Stunden mit viermal Umsteigen, u.a. in Göttingen in Niedersachsen, nicht schlecht.

N un ist es selbstverständlich nicht so, dass der Kasseler Staatstheaterintendant Thomas Bockelmann deshalb versucht hätte, kürzere Theaterabende zu planen. Aber es ist kein Intendant denkbar, der die Abfahrtszeiten der Züge besser im Kopf hat, dazu die Zeit, die es braucht, mit einem vorbestellten Taxi nach Wilhelmshöhe zu rasen (mit einem Taxi durch Kassel zu rasen, ein eigenes Gefühl, geradezu ein Feeling) und den Sitzplatz, den man im Theater benötigt, um beizeiten in dieses Taxi springen zu können.

N icht diese Umsicht hat Thomas Bockelmann zu einem so guten Intendanten gemacht, aber sie ist Teil einer umfassenden Staatstheaterintendantenpersönlichkeit. Theater ist offensichtlich nicht nur das größte und wichtigste Phänomen im Berufsleben des Thomas Bockelmann, es ist auch etwas, das aus vielen Details besteht und das getan werden will, und erfreulicher ist es, wenn dann auch ein paar Leute zusehen. Thomas Bockelmann ist dabei ein Regisseur mit mehr Leidenschaft, als man es diesem ansehnlichen Menschen aus der Familie von Werner Bockelmann, dem Frankfurter OB (seinem Vater), und Udo Jürgens, dem Schlagersänger und Schöpfer des wie die Faust aufs Auge passenden Songs „Mit 66 Jahren“ (seinem Cousin), auf den ersten Blick vielleicht anmerkt. Als Regisseur ist der Intendant Bockelmann jener am Text sowie am höchst seltsamen Wunder des Schauspielens interessierte Geschichtenerzähler gewesen, nach dem das Publikum oft lechzt und den Intendanten in PKs selig ankündigen. Ach, Sie denken, es sei selbstverständlich, dass sich Regisseure für den Text und das höchst seltsame Wunder des Schauspielens interessieren?

D er Regisseur Bockelmann hinderte dabei den Intendanten Bockelmann nicht daran, am Telefon von der Arbeit eines Gastregisseurs zu schwärmen, nicht ohne triftige Argumente – denn Thomas Bockelmann ist auch ein sehr guter, zugewandter Zuschauer – und nicht ohne den zarten Hinweis, dass der letzte Zug mit Randplatz und Taxi sicher zu erreichen wäre.

1 7 Jahre Intendanz in Kassel, da muss etwas zusammengepasst haben. Wir verlassen uns aber darauf, weiterhin von ihm zu hören.

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