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Judith von Sternburg
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Judith von Sternburg

Kolumne

Blödsinn

Sind Schriftsteller tatsächlich klüger als andere Menschen? Am Welttag des Buches will unsere Autorin derer mit Respekt gedenken, die die Seiten für uns vollschreiben.

In Argentinien haben sich Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa und die Regierung erneut kräftig angeschnauzt und dann wieder arrangiert. Vargas Llosa nannte Präsidentin Cristina Kirchner Agenturberichten zufolge unter anderem „eine komplette Katastrophe“, sozusagen als Ergänzung früherer Vorwürfe, sie sei „kulturlos und intellektuell armselig“. Regierungschef Aníbal Fernández erklärte daraufhin, Vargas Llosa rede einen derartigen „Blödsinn“, dass es „höchst peinlich“ sei. Beobachter fanden es ganz imposant, dass die Regierung die Gelegenheit wie eine Staatsaffäre behandle. „Argentinien ist ein souveräner Staat und hat das Recht zu tun, was ihm gefällt“, so Fernández im Radio. Zu einem Minimum an sachlichem Austausch kam es diesmal anscheinend nicht.

Eine gewisse Brisanz bekam der neuerliche Zusammenstoß zwischen den Postperonisten an der argentinischen Staatsspitze und dem bekennenden ex-linken Peronistenhasser Vargas Llosa dadurch, dass regierungsnahe linksnationalistische Intellektuelle sich unredlich, aber fleißig darum bemühten, den Schriftsteller von der Buchmesse in Buenos Aires auszuladen. Das wiederum unterband Präsidentin Kirchner. Vargas Llosa hielt dort also nun eine brave Eröffnungsrede und bedankte sich bei ihr dafür.

Jetzt kann man fragen: Aber was bringt denn das, muss das sein und haben Schriftsteller wirklich mehr zu politischen Themen beizutragen als Sie und ich? Man kann aber auch sagen, dass just heute das, äh, Nichtparteiausschlussverfahren gegen Thilo Sarrazin daran erinnert, was Politiker treiben, wenn sie unter sich bleiben. Unseliger kann es nicht werden, wenn der eine oder andere Autor mitredet.

So wollen wir am Welttag des Buches am heutigen Karsamstag (und 395. Todestag von Shakespeare und Cervantes, das muss eine Sternenkonstellation nach Shakespeares Geschmack gewesen sein) derer mit Respekt gedenken, die sie für uns vollschreiben. Und milde sein gegen Vargas Llosa, den Wüterich. Schriftsteller sind nicht verpflichtet, klüger zu sein als andere Leute. Es steht ihnen allerdings wahnsinnig gut.

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