Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Raabe, der Langeweiler, so tönte die eine oder andere Stimme, um Wilhelm Raabe (1831–1910) literarisch für tot zu erklären.
+
Raabe, der Langeweiler, so tönte die eine oder andere Stimme, um Wilhelm Raabe (1831–1910) literarisch für tot zu erklären.

Times mager

Blickwinkel

  • Christian Thomas
    vonChristian Thomas
    schließen

Ein spukhaftes Gewoge von Leidenschaft, Grimm und Hass am Himmel: Wilhelm Raabe wusste zu fesseln.

Sie sahen am Himmel „Raben-Heereshaufen“. „Raben-Heereshaufen“? Was sie aufscheuchte, was sie gegeneinander aufbrachte, blieb ein Rätsel. Auch der Erzähler konnte es nicht sagen, obwohl Wilhelm Raabe nicht selten ein allwissender Erzähler war. Einer, der sich mit seinem Mehrwissen gegenüber seinen Figuren einmischte in deren Wissen, deren (beschränkten) Blickwinkel. Um ihn zu kommentieren, um den Leserinnen und Lesern Erläuterungen zu geben, um wiederum deren Blickwinkel zu bereichern. Allerdings auch, um seine Leserschaft aufzuhalten. Das ist Wilhelm Raabe übelgenommen worden.

Raabe, wegen seines antisemitischen Romans „Der Hungerpastor“ (1864) so beliebt wie begründet gefürchtet, galt wegen der Eingriffe der Erzählerstimme in den Gang der Handlung als umständlich. Umso bemerkenswerter, wie Raabe den jähen Auftritt von Vogelschwärmen erzählt, von einem „Wirbel von Tausenden und Abertausenden Streitern in der Luft“, wie aus dem Nichts. Gevögel über einem öden Feld, über einem alten Handelspfad, einer alten Heerstraße, ein „Krähenschwarm“, der eine von Norden, der andere von Süden, zwei verfeindete „Geschwader“. Raabe verstand sich auf einen dramatischen Spannungsaufbau.

Wilhelm Raabes Rabenschlacht über einem öden Flecken Erde, auf der Grenze zwischen Westfalen und Ostfalen, spielte im Jahr 1761 – im Schlesischen Krieg, obwohl Schlesien wahrhaftig nicht im Grenzland des Weserberglandes liegt, über dem Raabe in seinem Roman „Das Odfeld“ ein „schauriges Luft-Kriegsspiel“ aufziehen ließ, 1888/89 aufziehen ließ, infolgedessen der Roman vor der Erfindung der Luftfahrt erschien, „Das Odfeld“ in Fortsetzungen, daher über den Jahreswechsel hinaus.

Die „Odfeld“-Leserschaft wurde angesichts des „spukhaft(en) Gewoge(s) von Leidenschaft, Grimm und Hass“ mit einem „Prodigium“ konfrontiert, einem düsteren Vorzeichen. So lasen es die Leserinnen und Leser in der „National-Zeitung“. War es ein Zeichen nur in der Geschichte? Das Wort, das im Roman fällt, bringt eine Figur ins Stottern. Auch das ein Vorzeichen?

Zu lesen war über einen Streit in der Luft aus einem ganz bestimmt nicht heiteren Himmel in dem Roman eines Autors, der oft als bieder, beschaulich und umständlich beschrieben worden ist. Raabe, der Langeweiler, so tönte die eine oder andere Stimme, um Wilhelm Raabe (1831–1910) literarisch für tot zu erklären. Wie das eine oder andere bei Wilhelm Raabe ist der einen oder anderen tonangebenden Stimme auch dieser Blickwinkel des Autors entgangen (Raabe, 1881): „Ich habe noch nie ein Buch geschrieben, in dem nicht mehr gewesen ist als in irgendeiner Kritik darüber.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare