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Times mager

Blaue Minna

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Wie die Zeit vergeht: Hamster und Mensch im Wandel. Dazu eine intensive FR-Recherche zum Farbwechsel bei der hessischen Polizei.

Der kluge Hamster im Rad läuft langsam, sagte ein Offenbacher Psychologe dieser Tage im Radio. Erfahrene Hamster bestätigen die These. Unerfahrene Menschen sind verwirrt. „Hamster erst schnell jetzt langsam“, wundern sie sich in Selbsthilfeforen: „Als ich meinen Hamster bekommen habe, ist er immer schnell im Laufrad gerannt, jetzt läuft er eher nur noch langsam. WiSo?“ Lösungsvorschläge: „Auf ,an‘ drücken“; „der Akku wird leer sein, bitte aufladen“.

Nicht lachen, es geht uns alle an, das Älterwerden in einer immer älter werdenden Kultur. Haben Sie es bemerkt? Die Generation „Da brauch ich keinen Arzt für, das geht von selbst wieder weg“ füllt jetzt die Wartezimmer.

Schade. Wären wir mal vor 30 Jahren hingegangen, damals war es noch viel gemütlicher beim Onkel Doktor. Heute müssen Sie gestern angerufen haben, damit die Sprechstundenhilfe morgen mal den Hörer abnimmt und Ihnen einen Termin für in vier Monaten gibt. Bis dahin ist es dann tatsächlich von selbst wieder weggegangen. Oder man ist selbst weggegangen.

Wer Glück hat und noch ein Weilchen bleibt, stellt Veränderungen an sich und anderswo fest, nicht nur in der Hamsterradindustrie („Naturholz“ ist gerade sehr angesagt), nicht nur auf dem niederländischen Gartenbausektor, der jetzt hart dafür kämpfen muss, sich über Wasser zu halten, wie man liest. Auch die Polizei ist blau.

Zehn Jahre!

Wissen Sie, wie lang in Hessen schon blaue Polizeiautos fahren? Zehn Jahre, ergaben intensive Ermittlungen der Frankfurter Rundschau, seit Anfang 2005. Happy runden Geburtstag, blaue Minna. Wie die Zeit vergeht. Zehn Jahre! In Norddeutschland noch länger. Nur in Bayern kann man sich noch darauf verlassen, dass die Bedrohung in Moosgrün und Hellbeige daherkommt, wenn man auf seinem frisierten Mofa unterwegs ist.

Aber wer fährt heute noch frisiert? Der Kampf ums letzte Haupthaar überschattet doch alles. Beim Versuch, die Erkenntnisse von Offenbacher Psychologen und klugen Hamstern auf die eigene Lebenswirklichkeit zu übertragen, wird sehr schnell klar, dass das Rad sich längst nicht mehr an unserer eigenen Laufleistung orientiert. Es wird von etwas anderem angetrieben. Die große Draufsicht offenbart, dass jemand von außen unablässig Münzen einwirft, die das Hamsterrad in Bewegung setzen. Solange wir mithalten, kommen unten Scheine raus.

Wenn wir nicht mehr mithalten, tauschen wir das Rad gegen eine mobile Gehhilfe. So ist das Leben. Erst brillieren wir in wechselnden Rollen, dann rollieren wir mit wechselnden Brillen.

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