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Bitte ruft 911

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Von: Sylvia Staude

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Marjorie Taylor Greene, US-Abgeordnete der Republikaner, versucht sich wieder an einem Nazi-Vergleich und landet in der Gazpacho-Suppe statt beim Wort Gestapo.
Platsch! Marjorie Taylor Greene, US-Abgeordnete der Republikaner, versucht sich wieder an einem Nazi-Vergleich und landet in der Gazpacho-Suppe statt beim Wort Gestapo. © Foodfolio/Imago

Ach, könnte man doch die (Gazpacho-)Polizei rufen, wenn die Dummheit überhand nimmt.

Oh please, call the Gazpacho Police / a tomato’s on fire / call the Gazpacho Police“, die Tomate brennt, der Garten ist außer Kontrolle, singt „bassgenius“ bekümmert und begleitet sich auf der Gitarre, bitte ruft 911, die Intelligenz hat abgenommen, ruft 911, ruft die Gazpacho-Polizei. Ebenfalls auf Youtube hat Michael Winograd die muntere Klarinetten-Komposition „Gazpacho Police“ eingestellt, mit der Bemerkung: Dieser Titel ist einfach zu gut, „too good for a Klezmer Song“, um ihn an Marjorie Taylor Greene zu verschwenden.

Greene, US-Abgeordnete der Republikaner, sorgte just für einen viralen Hit (#gazpachopolice), als sie, nicht zum ersten Mal, einen Nazi-Vergleich machte – und diesmal, platsch!, in der kalten spanischen Gemüsesuppe statt beim Wort Gestapo landete. Den Suppenschüssel-Spott wird sie nicht mehr loswerden. Es wird ihr, genau wie ihrem großen Vorbild Trump, bei ihren Anhängern und Anhängerinnen nicht schaden: Bildung ist etwas, das Leute haben, die man hasst. Man selbst hat „gesunden Menschenverstand“ – und also recht.

Vom Gleimhaus, Museum der deutschen Aufklärung in Halberstadt, erreichte uns gestern eine Mitteilung über die erfolgte Wahl der „Dummheit des Jahres 2021“, die ebenfalls in den USA stattfand (der Fisch ist vom Kopfe her dumm?). Einziger Juror der eingesandten Vorschläge war der in Halberstadt geborene Alexander Kluge (siehe nebenstehende Geburtstagswürdigung) und er entschied sich für: „Sturm von Trump-Anhängern auf das Kapitol im Januar 2021“.

Dies nicht nur wegen der Beschädigung der Demokratie und der menschenverachtenden Gewalt, sondern auch wegen der „Kostümierung“ der Trumper: „Wir sollten nachdenken“, so Kluge, „warum junge Leute sich kostümieren nach den Ölgemälden, die im Kapitol hängen, die die Frühzeit der USA beschreiben. Sie steigen quasi aus den Gemälden herab und erobern das Haus des Gesetzgebers. Das ist kein Kostümtumult, das ist kein Witz. Das sind die Abgründe der Dummheit.“

Mehr als 70 Einsendungen habe es gegeben, so das Gleimhaus. Das scheint uns angesichts der global vorhandenen Mengen an Dummheit verblüffend wenig.

Aber was dem einen seine Dummheit, ist dem anderen seine faktenbasierte Logik. Die Fortsetzung der Nutzung von Atomkraft wurde als Dummheit 2021 vorgeschlagen; auf der anderen Seite wurde die Abschaffung von Atomkraft als dumm empfunden. Impfgegnerschaft wurde nominiert; das Impfen ebenso.

Kluge bezeichnete alle Vorschläge diplomatisch als „überaus interessant“. Und fügte an, dass Dummheit nicht angeboren, vielmehr erworben sei. Manche, wir nennen jetzt keine Namen, scheinen zwecks Erwerb freilich nicht gerade hart arbeiten zu müssen.

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