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BitMouse

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Von: Sylvia Staude

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Maus
Ihr Schlafzimmer werden Sie nach zehn Jahren längst geräumt haben müssen für die Nachkommen von BitMouse. © Franz-Peter Tschauner/dpa

Mäuse, die sich fast von selbst vermehren, wer braucht das nicht?

Stellen Sie sich vor, liebe Leserin und lieber Leser, Sie bekommen Besuch, das Gespräch kommt auf das Thema Minuszinsen und Inflation, und Sie sagen irgendwann ganz lässig: Ich habe meine Mäuse unterm Bett. Wie, sagt Ihre Bekannte vielleicht, Scheine unter der Matratze? Münzen in der Kopfkissenhülle? Nein, sagen Sie, ich spreche von Mäusen.

Mein ich ja, antwortet Ihre Bekannte, du könntest auch Schotter, Kies, Kohle, Kröten sagen. Könnte ich nicht, sagen Sie, Kröten sind außerdem anspruchsvoller in der Haltung. Meine Mäuse dagegen vermehren sich fast von selbst. Ein durchaus realistisches Gespräch der Zukunft, wenn es um die Pläne einer Dezentralen Autonomen Organisation (DAO) geht, das diese „BitMouseDAO“ nennt. Als eines der Gruppenmitglieder kürzlich nicht einschlafen konnte, zählte es wohl keine Schafe, sondern Mäuse (auch Schafe erfordern mehr Aufwand, dazu ein wirklich sehr großes Schlafzimmer) und kam dabei laut Mitteilung auf die „wirklich coole“ Idee, in die DNA einer Maus den privaten Schlüssel für eine Bitcoin-Börse einzupflanzen.

Dazu soll der „private key“ in eine DNA-Sequenz übersetzt und während der Befruchtung in der Maus kodiert werden. Ist der Schlüssel erst einmal in den genetischen Code der Maus eingefügt, wird die Maus ihn an ihre Nachkommen weitervererben, so die Überzeugung der Leute hinter BitMouseDAO. „Wir haben den Wert der Maus direkt an den Bitcoin gekoppelt und er wird mit dem täglichen Bitcoin-Wert schwanken; vielleicht wird sie in zehn Jahren 100 Millionen Dollar wert sein oder sie wird nichts wert sein.“

In zehn Jahren? Da wird die erste BitMaus vor allem tot sein, mausetot. (Also doch lieber eine Kröte? Für die Erdkröte sind 36 Jahre belegt. Und außerdem umfasst so eine Kröten-Laichschnur zwischen 2000 und 4000 Eiern. Wenn man die alle durchbringt…) Und was, wenn die Katze sie erwischt, die BitMouse, noch ehe sie sich fortpflanzen konnte? Muss man dann der Katze wie im Märchen dem Wolf den Bauch aufschneiden, ehe die kostbare DNA verdaut ist?

Und was, wenn die Katze Ihrem Nachbarn gehört? Wird er Verständnis haben? Oder Mausefallen aufstellen?

Andererseits lesen wir über Mus musculus, auch Hausmaus: „Ein Weibchen kann vier- bis sechsmal pro Jahr gebären und bringt pro Wurf vier bis acht Junge zur Welt, die nach etwa vier Wochen ihre Geschlechtsreife erreichen.“ Ihr Schlafzimmer werden Sie nach zehn Jahren längst geräumt haben müssen für die Nachkommen von BitMouse. Aber wer weiß, vielleicht sind Sie auch längst umgezogen in ein Anwesen, wo es 128 Mäuse-Zimmer gibt und jeweils mehrere Dutzend Mausebits, äh, BitMäuse sogar ein eigenes Bad haben.

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