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Unter „Bio-Müller“ wird sich manche einen Menschen vorstellen, der, umgeben von fruchtbaren Feldern und wuchernden Wäldern, nitratarm aufgewachsenes Getreide Körnchen für Körnchen zur Hand nimmt, um es in seiner vom rauschenden Bächlein angetriebenen Mühle zu einem Mehl zu mahlen. Weit gefehlt.
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Unter „Bio-Müller“ wird sich manche einen Menschen vorstellen, der, umgeben von fruchtbaren Feldern und wuchernden Wäldern, nitratarm aufgewachsenes Getreide Körnchen für Körnchen zur Hand nimmt, um es in seiner vom rauschenden Bächlein angetriebenen Mühle zu einem Mehl zu mahlen. Weit gefehlt.

Times mager

Bio

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Die Erinnerung an die Zeiten des Festnetztelefons stellt manche gedankliche Verbindung her

Wegen häufigen Telefonierens ist es in den Haushalten betagterer Menschen wieder in Mode gekommen, eine interessante Apparatur zu benutzen, die – zur Erläuterung für die Jüngeren – etwa folgendermaßen aussieht: Ans Ohr hält sich der betagtere Mensch ein Gerät, das einem zu dick geratenen Handy ähnelt, aber (Achtung!) praktisch nur zu Hause funktioniert. Das Gerät ist nämlich per Funk mit einer Konsole verbunden, die wiederum per (Achtung!) Kabel mit dem Internetrouter verbunden ist, der, das kennen alle, wiederum per Kabel an einer Dose in der Wand hängt.

Die Betagteren nennen die Apparatur „Festnetztelefon“. Früher, als es noch kein Internet gab, funktionierten diese Geräte ohne Internet, jetzt mit Internet, aber das merkt niemand, denn wie früher lassen sich darauf (Achtung!) keine Filme schauen und nicht einmal Mails empfangen.

Nachdem das nun geklärt wäre, kommen wir zum Thema. Der Kollege J. erzählte jüngst im Rahmen eines Festnetztelefonats, seine Frau habe ihn gebeten, auf dem Weg zu einer Radtour den Bio-Müll mitzunehmen. Da sei ihm plötzlich der „Bio-Müller“ eingefallen, an den er seit 50 Jahren nicht gedacht habe, soweit er sich erinnere.

Nun wird es vielen so gehen, dass sie sich bei „Bio-Müller“ einen Menschen aus der Zeit des Festnetztelefons vorstellen, der, umgeben von fruchtbaren Feldern und wuchernden Wäldern, nitratarm aufgewachsenes Getreide Körnchen für Körnchen zur Hand nimmt, um es in seiner vom rauschenden Bächlein angetriebenen Mühle zu einem Mehl zu mahlen, wie es heute nur noch unter Vortanzen schamanischer Rituale in ausgewählten Mutter-Erde-Geschäften verkauft wird. Weit gefehlt.

„Bio-Müller“, erzählte der Kollege J., sei der schlüssige Spitzname eines Biologielehrers namens Müller gewesen, dessen Unterricht er, J., zu Zeiten genossen habe, da es in der Küche genau einen Mülleimer gab, dessen Inhalt in eine einzige, bleischwere Tonne aus Metall entsorgt worden sei, während das Wort „Bio-Müll“ seiner Erfindung noch fast so lange habe harren müssen wie das Handy.

Das Schlimme sei, erläuterte J., dass er sich selbst als Teil einer üblen Bande von Jugendlichen erinnere, die immer bei Ankunft des etwas fülligen Müller gerufen habe: „Die Tür geht auf, ein Bauch kommt rein, das kann doch nur der Bio-Müller sein.“ Das habe sich erst geändert, als Müller einmal über die Schwelle des Klassenzimmers gestolpert und mit einem dumpfen Schlag hingefallen sei. Das Gelächter der Klasse habe der runde Mann strahlend mit den Worten „Immer schön abrollen“ beantwortet, und seitdem hätten sie ihn einfach liebgehabt.

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