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Der Autor Wilhelm Raabe.
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Der Autor Wilhelm Raabe.

Times mager

Bindung

  • Christian Thomas
    vonChristian Thomas
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Wilhelm Raabe, um auch das zu sagen, war ein durchtriebener Autor.

Mit dem, was das Individuum sich vornimmt, hat sich’s häufig was. Nicht immer, aber doch oft. Auf den Lauf der Dinge gibt es dann nämlich keinen Einfluss. Es kommt etwas dazwischen, dem Vorhaben etwas in die Quere. Wer wüsste das nicht! Oder muss es fragend heißen: Wer wüsste das nicht? Da sagst du was, wie man sich vielleicht sagt, wenn wieder einmal etwas nicht so gelaufen ist, wie es gewünscht wurde, nicht von allein, am Schnürchen auch nicht.

Eine solche Erfahrung ist eigentlich ebenso wenig erstaunlich wie eine solche Entwicklung ein Einzelfall. Auffällig allerdings, wenn sich das, was sich ein Autor, kaum dass er seiner Leserschaft eine denkbar abenteuerliche, eine gar „fürchterliche Szene“ angekündigt hat, ja, für das kommende Kapitel versprochen hat, es dazu nicht kommen lässt, nicht zum Äußersten, dem Fürchterlichen. Obwohl doch ein Autor oder eine Autorin ein Individuum ist, das mit einem Privileg ausgestattet ist. Autor oder Autorin haben es in der Hand, sie gebieten über Leben und Tod. Soweit die quasi universale Seite.

Die individuelle betrifft die Ankündigung einer „fürchterlichen“ Szene, wie sie die Leserschaft bei Wilhelm Raabe findet, kaum dass er in seiner Erzählung „Horacker“ von einem „Frevler“ sprach, einer Kreatur „ebenso blutgierig als fressgierig“. Nicht anders als heute Zeitungsredaktionen, die sich um ein besonders intensives Verhältnis zu ihren Leserinnen und Lesern bemühen (genannt Leser-Blatt-Bindung), so verstand sich der Erzähler Raabe auf einen besonderen Konnex. Der Autor als Bezugsperson, womöglich als Autorität? Jedenfalls kündigte der Erzähler Raabe an, dass sich „unsere Leserinnen auf eine fürchterliche Szene im nächsten Kapitel Hoffnung machen“ dürfen.

Handelte es sich um ein Klischee, dass der Autor allein seine Leserinnen ansprach, deren vermeintliche Erwartungen, deren Hoffnungen? Hatte Raabe womöglich Tricks nötig, weil er der Autor von Fortsetzungsgeschichten war? Anders als viele Werke Raabes erschien „Horacker“, wenn man das hier kurz einschieben darf, sogleich in Buchform.

Daran schließt sich die Frage an, ob Raabe an der erwähnten Stelle die Ankündigung allein nutzte, um mit den Erwartungen an eine sogleich folgende fürchterliche Fortsetzung seiner Leserschaft zu spielen. Mehr noch, er ließ die Erwartungen dadurch, dass er sie nicht erfüllte (im kommenden Kapitel), ins Leere laufen. Sollten sich Leserinnen düpiert fühlen? Oder schämen? Oder sollten sie durch einen Autor, der über viele Reaktionen zu gebieten wusste, angehalten werden, sich von ihren Erwartungen zu lösen, freizumachen, von ihrer Rolle zu emanzipieren? Wilhelm Raabe war ein eminent durchtriebener Autor. Hatte es in sich, dieses seinerzeitige Angebot.

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