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Bilderrätsel

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Von: Sandra Danicke

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Wer nicht so recht weiß, wie er seinen Flirt einschätzen soll, braucht bloß einen Blick auf dessen Wände zu werfen.

Das Wichtigste wäre geschafft: Sie haben die Kommste-noch-auf-nen-Wein-mit-rauf-Hürde genommen, ob rot oder weiß ist Ihnen so piepegal wie der Pfandflaschen-Himalaya im Flur und die Haarspraydose am Garderobenspiegel. Was Sie jetzt beschäftigt, ist mit nackter Angst noch maßlos untertrieben. Was, wenn der Typ die Eintracht-Bettwäsche aufgelegt hat oder noch schlimmer: Satin?! Mit einem Blick auf die Wohnzimmerwand lässt sich der schlimmste Schlamassel im Vorfeld verhindern. Denn Sie können ruhig davon ausgehen, dass der Bilderschmuck in einer männlichen Singlewohnung nur zu einem einzigen Zweck ausgewählt wurde: um Frauen zu imponieren.

Franz Marcs „Blauer Reiter“ im Glasrahmen zum Beispiel soll suggerieren: Ich bin ein verträumter Romantiker und kenne mich in Farbpsychologie aus: Treue steht für mich an erster Stelle. In Wahrheit handelt es sich um einen kitschigen Langweiler, der unterm Bett die Romika-Cord-Puschen stehen hat. Ein romantischer Abend bedeutet für ihn: Prosecco, Stoffservietten und Stehgeiger beim Italiener. Tamara de Lempickas unterkühlte Zwanzigerjahreporträts (wahlweise Callas) hingegen stehen für den mondänen Lebemann mit Stil. Er kauft sein Mobiliar beim Art-Déco-Händler in Brüssel und führt Sie zum Foie-gras-Essen nach Paris aus – vorausgesetzt, er hat einen Sportwagen vor der Tür stehen. Anderenfalls ist er ein Blender.

Dann wäre da noch der mit dem Beuys-Plakat mit der Honigpumpe drauf. Er hat immer ein paar Flaschen billigen Landwein zu Hause und seine zerfledderten Taschenbücher (Vilém Flusser, Gilles Deleuze etc.) sind voller Anmerkungen und Unterstreichungen. Gerne schwadroniert er von Sozialer Plastik und Rudolf Steiner. Aber wehe, Sie können ihm intellektuell das Wasser reichen, dann kommen Sie als Sexualpartnerin genauso wenig infrage, wie Frauen, die sich mit Jazz auskennen. Männer wollen schließlich beeindrucken.

Und sei es bloß mit dem Körper. Den Bodyästhetiker erkennt man natürlich am Mapplethorpe-Poster. Ach! Du! Schreck! Während Sie sich in der Keksdose spiegeln müssen, blockiert er das Bad. Anschließend hängt sein String überm Wannenrand und Ihr Bikinizonentrimmer ist voller Haare.

Bleibt noch der mit dem Nudelsortenplakat in der Küche. Wenn er die Gaggia-Espressomaschine tatsächlich für Sie in Gang bringt, können Sie ja mal einen abgebrochenen Absatz vortäuschen und abwarten, ob er nun Pattex, sein Sofa oder den Taxiruf anbietet.

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