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2020: Die Bücher, die man seit gefühlt 1787 lesen wollte wurden nicht gelesen. Auf dem Tisch liegen dafür jetzt aber viele nagelneue Bücher.
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2020: Die Bücher, die man seit gefühlt 1787 lesen wollte, wurden nicht gelesen. Auf dem Tisch liegen dafür jetzt aber viele nagelneue Bücher.

Times mager

Bilanz

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Klappe zu, Deckel drauf auf 2020. Und, nein, der Keller ist immer noch nicht ausgemistet.

Mit dem Ausschlafen hat es 2020 ausführlicher geklappt, als man es sich noch im März hätte träumen lassen. Vom Bett in acht bis neun Schritten vor den Laptop, notfalls im Pyjama und ohne Zähneputzen – das spart ein Matterhorn an Zeit; da kann die Bahn ins Büro so pünktlich sein, wie sie will, und sieht doch alt aus. (Obwohl die DB keineswegs untätig war, vielmehr heimlich innovative Zeit-Konzepte, äh, erarbeitet hat: Kürzlich auf dem S-Bahn-Steig behauptete eine der Anzeigen, die Bahn komme in 14 Minuten, die andere, in 6 Minuten. Erstere blieb stoisch auf der 14 stehen, Lockdown sozusagen, letztere brachte nach 6, 5, 4 usw. Minuten eine Bahn, worüber die Freude der Wartenden nicht einmal halb so groß gewesen wäre, hätte sie nicht den Verdacht gehabt, die 14 könnte Recht behalten, bis sie irgendwann genug hat vom Stillstehen und in den Feierabend geht.)

Aber wir schweifen ab. Das Ausschlafen jedenfalls blieb das einzige, das dem Plan und den guten Vorsätzen vom Anfang dieses Jahres entsprach. Oder auch dem ersten Lockdown-Plan und den guten Vorsätzen von Mitte März. Oder dem zweiten Lockdown-Plan und den guten Vorsätzen vom Dezember. Jetzt lohnt es sich nicht mehr. Klappe zu, Deckel drauf auf 2020.

Den Keller ausmisten? Die Wertstoffhöfe wurden doch geschlossen, oder? Und als sie im Sommer wieder geöffnet waren, wer hätte da im dunklen Keller sitzen und aufräumen wollen? Doch nur ein Mensch, der nicht so flexibel und vernünftig ist, das Ausmisten auf eine günstigere Jahreszeit zu verschieben. Eben.

Nicht direkt verworfen wurde (aber es kam auch nicht direkt dazu): Die Bücher lesen, die man seit gefühlt 1787 lesen wollte. Die Filme gucken, die man seit gefühlt 1973 gucken wollte, auch wenn sie noch gar nicht gedreht waren. Musik-CDs aussortieren, die man seit (nicht nur gefühlt) 1996 nicht mehr angehört hat. Und vor deren Wiederanhören es einen graut, weil man Angst hat, dem eigenen Geschmack bzw. Ex-Geschmack zu begegnen. Übrigens ist die Bahn schuld daran, dass aus all diesen Vorsätzen und Ambitionen so gar nichts wurde. Sie hat uns auf der einen Seite vorgegaukelt, dass die Zeit nicht vergeht. Und dann kam von der anderen Seite schon gleich wieder die Nacht angetuckert und sollte ja wenigstens das Ausschlafen 2020 eine Chance erhalten.

Im Keller ist es jetzt zu kalt. Auf dem Tisch liegen viele nagelneue Bücher. Und an den aktuellen CDs hat man sich noch keineswegs satt gehört. Erstmal soll bitteschön das nächste Jahr kommen und es besser machen als dieses. Dann sehen wir weiter.

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