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Times mager

Bijabacho

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Sollte es in Spanien die Orte geben, von denen in einer Spülmittelwerbung die Rede ist, dann jedenfalls nicht so.

Während Teile der Menschheit in Villarriba vor einem Blatt Papier sitzen und darauf warten, dass ihnen etwas Relevantes einfällt – kleine Teile der Menschheit, zugegeben, sehr kleine Teile –, liegt man in Villabajo noch in den Federn und ahnt gar nicht, was Frühaufsteher so umtreibt. Das Villabajo-Villarriba-Problem beispielsweise.

Die zwei spanischen Ortschaften gibt es nicht. Jedenfalls vermutlich nicht. Hätte es Villabajo und Villarriba je wirklich gegeben, wären sie längst untergegangen, weggewaschen von der Spülmittelwerbung eines US-amerikanischen Konsumgüterherstellers.

In dem Fernsehspot haben beide Dorfgemeinschaften erst mal Spaß: „Jedes Jahr in Spanien feiern die Dörfer Villarriba und Villabajo ihre Fiesta.“ Man sieht fröhliche Menschen, die T-Shirts mit dem Namen ihres Heimatorts tragen. Schon stöhnen alle unter Schmerzen auf, die die Reiselust je nach Spanien trieb, denn das Dorf muss ihnen erst noch gezeigt werden, in dem nur einmal im Jahr Fiesta gefeiert wird, und zwar mit dem Dorfnamen-T-Shirt als Dresscode. Das ist aber noch nicht das Problem.

„Dazu gibt’s eine rrriesige Paella“, errrzählt der Sprrrecher weiterrr. „Aber wenn’s an den Abwasch geht …“, und Attencion, jetzt kommt’s: In Villabajo macht man’s nach traditioneller Art „mit herkömmlichem Spülmittel und viel, viel schrubben“ – in Villarriba hingegen hat man jetzt das Produkt aus Nordamerika, das natürlich viel besser geeignet ist für die Beseitigung der Überreste einer Fiesta nach jahrtausendealter spanischer Tradition.

Inzwischen sogar jahrtausendealt plus 26 Jahre, denn so lang ist es her, dass die Amis Villarriba und Villabajo auf den deutschen Markt losließen. Aufmerksame Leserinnen und Leser spüren unterdessen zwischen den Zeilen, mit welch rrriesigem Widerwillen die Dörfernamen hier jeweils unter Verwendung eines Doppel-L geschrieben stehen. Denn was der Werbesprecher sagt, ist eindeutig: „Vilarriba“ und „Vilabajo“. Mit einem Solo-L.

Studenten, die trotz großen Latinums noch Spanisch brauchten, genügte zu jener Zeit eine einzige Lektion bei ihrem erklärten Helden, Señor Olarieta, um zu wissen: Schreibt der Spanier ein Doppel-L, bleibt die Zungenspitze dem Gaumen fern. Er meint dann ein J. Schreibt er hingegen ein J, meint er CH. Also sprich: „Vijarriba“ und „Vijabacho“. (Im Prinzip sogar „Bijariba“ etc., aber das führt jetzt hier zu weit.) Man könnte das sogar als Nordamerikaner wissen, wenn man nicht die ganze Zeit damit beschäftigt wäre, Ureinwohner aus ihrem Land zu jagen und Mauern zwischen sich und die Leute zu bauen, die noch wissen, wie man anständiges Spanisch spricht. Triste.

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