Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Times Mager

Beweise

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
    schließen

Der Streit um die Rückgabe des Welfenschatzes aus dem Besitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz spitzt sich zu. Zur Verstärkung seiner Argumentation fährt der Anwalt der Erben starke Geschütze auf. Von Harry Nutt

Der Streit um die Rückgabe des Welfenschatzes aus dem Besitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) an die Erben der jüdischen Vorbesitzer spitzt sich zu. Markus Stötzel, der Anwalt der Erben, hat die SPK aufgefordert, unmissverständlich zu belegen, dass die 44 Kirchenreliquien im Berliner Kunstgewerbemuseum keine NS-Raubkunst sind.

Zur Verstärkung seiner Argumentation fährt Stötzel starke Geschütze auf. Gegenüber dem Journalisten Stefan Koldehoff sagte er in der Zeit: Die Aussage der SPK, dass beim Verkauf des Welfenschatzes seitens der Nazis kein Druck ausgeübt worden sei, sei "nicht nur falsch und ungeheuerlich, sondern auch wider jede Vernunft und Logik. Sie zeugt von einer unglaublichen Ignoranz gegenüber alledem, was wir über das jüdische Leben und Überleben im NS-Staat wissen und wie es auch und gerade die Familien Rosenbergs, Hackenbrochs und Goldschmidts am eigenen Leib zu spüren bekamen."

Die Aussage zeigt, wie schwierig die Bewertung eines solchen Falls auf der Basis der Washingtoner Erklärung ist. Die SPK soll beweisen, dass ein rechtmäßiger Verkauf eines großen Teils des Welfenschatzes stattgefunden hat. Zugleich darf aber nicht in Frage gestellt werden, "was wir über das jüdische Leben und Überleben im NS-Staat wissen".

Die SPK befindet sich hier in einem performativen Dilemma. Indem sie die Rechtmäßigkeit des Erwerbs des Welfenschatzes zu beweisen versucht, fahndet sie zugleich nach Indizien dafür, dass das Unrechtssystem des NS-Staats nicht lückenlos war. Zugespitzt gesagt arbeitet die SPK an der Relativierung des Holocausts. Das ist die knifflige Konstellation, aus der auch das Washingtoner Abkommen von 1998 keinen Weg weist. Nach der Rückgabe von Ernst Ludwig Kirchners Gemälde "Berliner Straßenszene" mischten sich rasch antisemitische Töne in den öffentlichen Streit um das Bild.

Um sich jedes Verdachts zu erwehren, hat die SPK den Weg eingeschlagen, die Informationen über den Welfenschatz weitgehend transparent darzustellen. Es wird nun darauf ankommen, einem offenen Austausch der Experten Raum zu verschaffen. Allgemeine Annahmen über Vernunft und Logik führen nicht zum Ziel einer fairen und gerechten Lösung.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare