Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Times Mager

Bewältigung

  • Arno Widmann
    VonArno Widmann
    schließen

In der Schlange an der Kasse bei Rossmann. Eine DVD für 3,99. Vom Teufel gejagt. Regie: Viktor Tourjansk. Mit Hans Albers und Willy Birgel, Lil Dagover, Maria Holst und Heidemarie Hatheyer. Von Arno Widmann

In der Schlange an der Kasse bei Rossmann. Eine DVD für 3,99. Vom Teufel gejagt. Regie: Viktor Tourjansk. Mit Hans Albers und Willy Birgel, Lil Dagover, Maria Holst und Heidemarie Hatheyer. Ich kenne den Regisseur nicht, dafür kenne ich die Darsteller als die Helden meiner Eltern. Neben Willy Birgel stand ich einmal, da war ich 16 und er war kleiner als ich. 3,99! Ich lege die DVD zu meinen Rasierklingen. Am nächsten Morgen - die Sonne treibt mich um 5.30 Uhr aus dem Bett - sehe ich mir den Film an.

Hans Albers ist noch kleiner als Willy Birgel. Von wann ist der Film? Nirgends zu entdecken. 1950, erfahre ich aus dem Internet und der Regisseur heißt Tourjansky, ein Ukrainer, der zwischen 1914 und 1962 mehr als 80 Filme drehte. In den zwanziger Jahren floh er nach Frankreich, wurde in Deutschland ein erfolgreicher Regisseur, der bis 1944 mit den teuersten Ufa-Stars drehte und das gleich nach dem Kriege fortsetzte.

In "Vom Teufel gejagt" spielt Albers einen Irrenarzt, der ein Heilmittel entwickelt, es an sich selbst ausprobiert und unter seinem Einfluss zum Verbrecher wird. Dr. Jekyll und Mr. Hyde, sagt jetzt jeder. Wer aber den Film sieht, der entdeckt darin einen Schrecken darüber, wozu man alles fähig ist, wenn es einem im richtigen Augenblick befohlen wird. Das ist keine Horrorgeschichte, sondern ein Versuch, sich über die Nazijahre klar zu werden.

Wie Hans Albers hatte man sich ein Heilmittel gegen die durchdrehende Zivilisation verschafft, eine Heilslehre jedenfalls. Unter ihrem Einfluss tat man - bei bestem, reinstem Willen - das Schrecklichste. Man raubte und mordete. Die Untaten werden nicht geleugnet. Desto angenehmer, dass man nichts für sie kann. Vom Teufel gejagt, ist man unschuldig. Es bleibt einem nichts anderes zu tun, als was er einem sagt.

"Ich bleibe bei Dir", sagt Willy Birgel. Er emigriert nicht. Er, der immun ist gegen die Verlockung des Heilmittels, hilft seinem vom Teufel - seiner eigenen Droge - gejagten Freund und Kollegen. Man erkennt darin eine der damals so gern verteilten scharfen Spitzen gegen die Emigranten. Regisseur Tourjansky und Hauptdarsteller Albers sind auch die Produzenten des Films. Vergangenheitsbewältigung 1950.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare