Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Steven Patrick Morrissey, auch kurz Mozzer genannt.
+
Steven Patrick Morrissey, auch kurz Mozzer genannt.

Morrissey

Ab ins Bett

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
    schließen

"No bus, no boss, no rain, no train": Morrissey bekennt sich zum Bett. Ist er jetzt völlig übergeschnappt?

Er meint das nicht so. Ganz sicher nicht. Es gibt zahllose Beispiele dafür, dass sendungsbewusste Ich-Erzähler die krudesten, krassesten, knackwursthaftesten Statements in den Raum stellen, ja, ganze Romane damit abfüllen, und irgendwann im Verlaufe stellt sich heraus: Er meint das überhaupt nicht so. Er meint das anders.

Jetzt das: Er singt, er habe den Tag im Bett verbracht. Er singt, er sei sehr glücklich darüber. Er singt, er sei eigentlich gar nicht sein Typ, was eigentlich gar nicht so doof ist, jedenfalls nicht so doof wie der Rest des Textes. Er singt auch, dass die Arbeiter, während er den ganzen Tag im Bett lag, versklavt geblieben seien. Okay. Da kann man drauf hinweisen. Das ist durchaus erwähnenswert, auch wenn es in dem Zusammenhang nicht unbedingt zu erwarten war.

Aber dann singt er, er liebe sein Bett. Und dann singt er vor allem, er empfehle seinen Freunden, dass sie aufhörten, die Nachrichten zu schauen, weil die Nachrichten darum konkurrierten, uns Angst einzujagen. Sie gäben uns das Gefühl, klein und allein zu sein, singt er. Die Nachrichten. Sie gäben uns das Gefühl, unser Verstand sei nicht mehr unser eigener. Man kann es auch kurz sagen, und genau das tat der „Musikexpress“ bereits: „,Lügenpresse‘ ruft er auch.“

Und jetzt suchen alle nach Hinweisen darauf, dass er’s nicht ernst meint, denn – vielmals um Entschuldigung: Der Mann ist Steven Patrick Morrissey, auch kurz Mozzer geheißen. Er war der Sänger der unsterblichen, aber leider toten Smiths, er hat haufenweise grandiose Songtexte geschrieben, die hier schon mindestens zwei Mal wörtlich zitiert wurden (die Sache mit dem Doppeldecker-Bus, der uns beide killt, und dem Zehn-Tonnen-Lastwagen, der in uns kracht, aber an deiner Seite zu sterben, ist so eine himmlische Art zu sterben et cetera). Er singt seit 32 Jahren, Fleisch sei Mord. Er singt seit 31 Jahren, die Queen sei tot (Was? Ja, die Queen!). Und jetzt behauptet er also, die Nachrichten wollten uns Angst machen und belügen? Nee, is klar.

Leider sucht man, seit Morrissey im September diese Single „Spent The Day In Bed“ veröffentlichte (letzte Strophe: „No bus, no boss, no rain, no train“), vergeblich nach Zeichen, die uns aufklären. Sein Twitter-Account: nichts. Das Internet: nichts. Vielleicht ist es Ironie. Nein, Ironie trifft es nicht. Vielleicht nimmt er gesanglich-mimisch die Rolle des Wut- bzw. Bettbürgers ein, um sie zu karikieren. Nein, das würde man deutlicher merken. Vielleicht ist er jetzt völlig übergeschnappt. Ja, das könnte es sein. Am 17. November erscheint Morrisseys neues Album. Dann wissen wir hoffentlich mehr.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare