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Die Welt wird keinen Deut besser ohne Harald Metz‘ Berger Kino. Sie wird ausschließlich kümmerlicher.
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Die Welt wird keinen Deut besser ohne Harald Metz‘ Berger Kino. Sie wird ausschließlich kümmerlicher.

Times mager

Berger

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Fußläufig ins nächste Kino zu können, so sollte es eigentlich sein. Von Judith von Sternburg.

Ich weiß sehr wohl, was es bedeuten soll, dass ich so traurig bin. Diesmal geht mir nicht aus dem Sinn, dass das Berger Kino für immer geschlossen hat. Die FR berichtete.

Das Berger Kino befindet sich logischerweise auf der Berger Straße. Es ist ein Kino, wie ein Kino sein soll. Es gibt zwei Säle, in denen man im Großen und Ganzen sitzt, wo man sitzen will. Die Gänge zu den Sälen müssen sich vor hundert Jahren einmal so ergeben haben. Nein, nicht vor hundert, sondern vor vierzig Jahren. Auch das ist eine lange Zeit. An der Kasse verkaufen sehr unterschiedliche Typen – reizende, verschwiegene, verschrobene, kundig sind sie alle – die weiß Gott nicht billigen Eintrittskarten. Als Nächstes kommt direkt dahinter die Getränke- und Popcorntheke, wo meistens in Minutenschnelle dieselbe Person wie eben an der Kasse steht. Jetzt verkauft sie einem die ebenfalls nicht geschenkte Limo.

Im Berger Kino laufen absurd alberne Filme, aber auch sehr gute. Man erlebt Überraschungen. Alles ist so klein (aber die Leinwände sind groß!), dass man im Eingang, wo sich vorher und hinterher die Leute knäueln, praktisch immer irgendeine Kollegin oder einen Kollegen trifft.

Vor vielen Jahren, als unsereiner noch ganz neu hier war, bewies das Berger Kino direkt, dass die Wahl der Gegend nicht so verkehrt sein konnte. Eine Gegend mit einem Kino: Hier lass dich nieder, hier wird es dir immer gut gehen, und wenn es dir einmal nicht gut geht, dann gibt es immer noch die Spätvorstellung.

Zu Fuß ins Kino, so soll es sein.

Seither ist viel passiert, Menschen starben, Kinos starben, der Turmpalast, das Zeil-Filmtheater, das Olympia in der Weißfrauenstraße, das Royal in der Schäfergasse, natürlich entstanden auch neue Kinos, und davon starben ebenfalls einige wieder. So ist das halt, sagt der kluge Verwandte, das wird dir noch oft im Leben passieren. Aber das macht es nicht besser, sagt daraufhin der gesunde Menschenverstand, im Gegenteil. Aber du hättest halt öfter hingehen sollen, sagt daraufhin der Taschenrechner, und zwar hättest du außerdem Freundinnen und Freunde kennenlernen sollen. Sie wären mit dir in Scharen ins Kino gelaufen und gerne ins Berger Kino, die einen Freundinnen und Freunde in den einen Saal, die anderen in den anderen. Anschließend hättet ihr euch im Schöneberger über die beiden Filme unterhalten. Das Schöneberger befindet sich ebenfalls auf der Berger Straße, auch logisch.

Die Welt wird keinen Deut besser oder angenehmer ohne das Berger Kino, sie wird ausschließlich kümmerlicher. Insofern bringt es nichts, dass das Berger Kino zumacht. So prosaisch liegen die Dinge.

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