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Selbst die Pizza ist künstlich, wenn auch ohne Intelligenz.

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Die Feuilleton-Kolumne, diesmal mit der Hilfe modernster Schreibprogramme erstellt.

Manchmal muss man zuerst einmal etwas hinschreiben, um dann zu schauen, was als Nächstes passiert. Gerade erst wieder erinnerte ein Kollege daran, dass das mit „Smart Compose“, dem E-Mail-zu-Ende-schreibe-System von Google, viel schneller gehen würde. „Smart Compose“ (auf Deutsch weiterhin noch nicht erhältlich) sagt seit einem guten Jahr ökonomisch handelnden Gmail-Nutzerinnen und -Nutzern im englischsprachigen Raum, wie sie schneller ihre Abendverabredung treffen können, da sie ohnehin meistens um 20 Uhr ausgehen, oder wie sie wertvolle Zeit sparen, indem „Smart Compose“ schon weiß, dass sie auf der Pizza Champignons und Brokkoli, aber keine Zwiebeln wollen. Das sind jene einfachen Beispiele, die an die Öffentlichkeit gelangen, denn „Smart Compose“ ist natürlich ein unwahrscheinlich gut geschütztes System, in das niemand unbefugt eindringen kann. Man selbst und die künstliche Intelligenz machen das unter sich aus.

Der Autor John Seabrook berichtete kürzlich immerhin, er sei bestürzt, wie gut „Smart Compose“ seine Gedanken kenne, und mehr noch: Die künstliche Intelligenz habe manchmal bessere Einfälle als er selbst. Und doch, so Seabrook, schreibe er jeden Satz selbst zu Ende. Als reklamiere er das Schreiben als menschliches Exklusivrecht. Wer seit Jahren den Lockungen der Wortvervollständigung trotzt, weiß, was das heißt, und dass es ein Rückzugsgefecht ist, das man sich gerade als beruflich schreibender Mensch gönnt. Während man sich permanent vertippt. Das merkt man daran, dass der Vervollständigungsvorschlag immer wieder verschwindet – der dezente Rechner geht davon aus, dass man etwas anderes schreiben will.

Aber das ist Pillepalle. Für einen Aufsatz im „New Yorker“ nutzte Seabrook das umstrittene (zu gute, darum bisher nur teilweise veröffentlichte, darum aber auch undurchschaubare) Schreibsystem GPT-2, dessen Vorschläge er (hoffentlich nur) zwischendurch einfügt. Die Vorschläge sind natürlich alles andere als dumm. Interessant etwa die Stelle, an der GPT-2 einen Fachmann zitiert, der trotz der rasanten Entwicklungen nicht davon ausgeht, dass wir eine Gesellschaft von Robotern werden. Das würde ich auch zitieren, wenn ich ein Roboter wäre, der sich mit Menschen auskennt.

Schreibprogrammen werden derzeit, liest man weiter, Fehlerhaftigkeiten und Ungeschicklichkeiten beigegeben, damit man anhand von Fehlerhaftigkeiten und Ungeschicklichkeiten gleich merkt, dass man es mit einem künstlich generierten Text zu tun hat: Wortwiederholungen, plötzliche Themenwechsel. Das wiederum bringt auch an Regentagen einen Lichtblick ins Büro.

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