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Bellheim

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Von: Judith von Sternburg

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Ein unvergessenes Quartett (von links): Die Schauspieler Hans Korte, Will Quadflieg, Heinz Schubert und Mario Adorf in einer Szene des ZDF-Vierteilers „Der große Bellheim“.
Ein unvergessenes Quartett (von links): Die Schauspieler Hans Korte, Will Quadflieg, Heinz Schubert und Mario Adorf in einer Szene des ZDF-Vierteilers „Der große Bellheim“. (Archivfoto von Juli 1991) © Stefan Hesse/dpa

Ich will nie wieder behaupten, dass früher alles besser war. Ich will nie wieder behaupten, dass früher alles besser war. Ich will nie wieder .... Die Kolumne „Times mager“.

Ich will nie wieder behaupten, dass früher alles besser war. Ich will nie wieder behaupten, dass früher alles besser war. Ich will nie wieder behaupten, dass früher alles besser war. Nach dem Tod von Dieter Wedel die DVD „Der große Bellheim“ bestellt und jetzt mit 30 Jahren Verspätung einen der namhaften deutschen Fernsehhits der frühen 90er, also 1990er Jahre gesehen. Ein Film, in dem viel los ist. In einer Welt, in der alle Macht den Männern gehört. Am mächtigsten sind die alten Männer. „Es hätte nicht gewagt zu passieren“, heißt es grandios, als von einem Ärger die Rede ist, der zu den Zeiten des großen Bellheim undenkbar gewesen wäre. Jetzt müssen sich die alten Männer im Laufe der Folgen die Macht erst wieder erobern. Ja, stimmt, es sind durchweg alte weiße Männer, wobei in einer rasanten Schlussvolte ein methusalemartig alter Koreaner obsiegt. Den alten Männern gelingt all das, weil sie gerissener, kompetenter, fleißiger und einsatzbereiter sind als die jungen Männer.

Und was machen die Frauen so? Die Frauen putzen den Saal, in dem sich gleich der Vorstand trifft, zwischen den Graumelierten ein hübsches Köpfchen, das emsig mitschreibt fürs Protokoll. Es gibt Verkäuferinnen – ständig verheult (Ingrid Steeger), promiskuitiv (Ingrid Steegers Kollegin) oder seelisch labil (die ältere Kollegin). Andere gehen in sexy Badeanzügen einen Laufsteg entlang, um „Miss Bellheim“ zu werden, oder tanzen in sexy wenig in einem Etablissement. Denn nach einem langen Arbeitstag suchen die alten Männer Entspannung.

Wenn es dahin kommt, ist Mario Adorf, der große Bellheim, verhältnismäßig abgeklärt. Das hat wohl auch damit zu tun, dass sich die Frauen eh in Männer verlieben, die mehr als doppelt so alt sind wie sie und viermal so schwer wie sie. In Mario Adorfs Fall ist das Renan Demirkan, die eine Frau spielt, die wirklich in ihn verknallt ist. Sein Weg führt aber zurück zu seiner zweiten Frau, die im Alter zwischen Renan Demirkan und seiner ersten Frau (kurz im Bild, ältere Frauen sind hier immer nur kurz im Bild) liegt. Da muss Renan Demirkan, die ihn umflatterte wie ein Schmetterling, weinen und ihr Glück als Schauspielerin in Gießen suchen. Bellheims mittlere Frau hat eine Ballettschule eröffnet. Schön, wenn schöne Frauen mit schönen Dingen zu tun haben. Leslie Malton arbeitet zwar im Finanzwesen, dies aber mit den „Waffen einer Frau“. Dabei ist sie die Waffe von Heinz Hoenig als deutschem Gecco. Kein Mann im Film, der ihr nicht anerkennend zulächelt: tolle Figur. Korpulentere Frauen sind hundert Jahre verheiratet oder haben lustige Wurzenrollen.

Deutscher Gecco? Parallelen zum Film „Wall Street“ wurden dem „Großen Bellheim“ nicht unbedingt angelastet, aber es fiel auf. Die Rollen, die die Schauspielerinnen bekamen, fielen offenbar nicht auf. An so einer Stelle kann man zwar sagen, dass das heute im deutschen Fernsehen immer noch so ist. Aber man geniert sich wenigstens. Ich will nie wieder behaupten, dass früher alles besser war. Ich will nie wieder behaupten, dass früher alles besser war. Ich will nie wieder behaupten, dass früher alles besser war.

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