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Ein Colafläschchen zu viel? Aber nein, davon geht der Badende nicht unter. Ganz bestimmt nicht.

Times mager

Behauptungen

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Heute: Vier Behauptungen von Erwachsenen, die nicht stimmen. Die fast nicht stimmen.

1. „Goethe hat geschrieben: ,Wer nie sein Brot im Bette aß, weiß nicht, wie Krümel piken.‘“

Nun, da haben sich die Erwachsenen einen Spaß gemacht, denn Goethe hat selbstverständlich geschrieben: „Wer nie sein Brot mit Tränen aß, / Wer nie die kummervollen Nächte / Auf seinem Bette weinend saß, / Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte.“ Tatsächlich ist die im Bette spielende Variante realitätsnah, was ihren dauerhaften Erfolg ausmachen dürfte. Dennoch hat das Gefälle zum Original enorme Ausmaße. Peinlich, dass sich das erst klärte, als es in der Schule galt, Goethe-Wendungen aufzuzählen und man mal so richtig blöd dasaß. Allerdings muss davon ausgegangen werden, dass auch viele der Erwachsenen wirklich glaubten, Goethe sei der Autor. Einer Frankfurter Familie wäre das nicht passiert. Das führt auch gleich zum nächsten Punkt.

2. „Die Schule ist doch nicht wichtig.“

Es ist entspannend und erfreulich, aus einer Generation zu kommen, der selbst etliche Lehrer etwas in dieser Art vermittelten. Von den ihrerseits noch dramatisch schulgeschädigten Eltern nicht zu reden. Dabei hätte manches Kind gerne einmal ein Lob für ein gutes Zeugnis gehört. Das gab es aber nur nonchalant, da die Schule ja nicht wichtig ist. Obwohl die Schule in Wirklichkeit sogar sehr wichtig ist, fällt es nach wie vor schwer, diese Grundhaltung zu rügen. Anders als beim nächsten Punkt.

3. „Filme, in denen gesungen wird, sind Mist.“

Das ist allerdings die Höhe. Erst mit dreißig Jahren Verspätung können sich ehemalige Kinder, denen Erwachsene dies bei jedem Griff zur Programmzeitschrift eingeträufelt haben, mit Gene Kelly und Leslie Caron in Paris vergnügen. Gene Kelly sieht fabelhaft gut aus und ist dabei ein Meister der Selbstironie. Legion aber die Filme, die ausgestellt wurden, weil darin einige Songs dargeboten wurden. War es ein Chanson, rollten die Erwachsenen dazu mit den Augen. War es ein Schlager, gingen alle wütend ins Bett. Zumal rasches Umknipsen noch keine Option war.

4. „Wer vorm Schwimmen isst, geht sofort unter.“

Wer mit dieser Ansicht aufgewachsen ist, wird sie insgeheim weiterhin ernst nehmen und sich zwar quiekend, aber doch mit schlechtem Gewissen um 13.30 Uhr in die Wellen werfen. Ob hingegen schon drei Colafläschchen und eine weiße Maus, am Schwimmbadkiosk frisch gekauft, ernste Gefahr für Leib und Leben bergen, lässt sich bezweifeln.

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