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Wie wird so ein Küsschen zur Begrüßung ordnungsgemäß ausgeführt? US-Präsident Obama sollte es wissen.

Times mager

Begrüßung

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Selbst Engländer wissen nicht immer, was sie auf „How do you do?“ antworten sollen.

Ein Engländer, der sich überhaupt nicht für Sport interessiert, erzählt aus der Zeit, als er Deutsch lernte: In einem Geschäft um gutes Benehmen bemüht, habe er nach jedem Halbsatz „Danke“ gesagt. Der Verkäufer, dem nicht entgangen sei, dass er sich große Mühe gab, habe ihm jedoch erklärt: „Aber zuerst einmal sagen wir: Guten Tag!“

Dazu passt, dass kürzlich die Tageszeitung „The Guardian“ ein Gejammer über die Defizite, nein nicht der englischen National-Elf, sondern der englischen Grußformeln anstimmte. Es war der Ausländerin eine Genugtuung zu lesen, dass auch Briten u. U. keine Ahnung haben, wie sie auf die Wendung „How do you do?“ reagieren sollen. Bei ihnen kommt als Manko noch dazu, dass das Händeschütteln unterentwickelt beziehungsweise windigen Ex-Regeln, die viele Menschen nicht mehr genau kennen, unterworfen ist. Man steht umher, murmelt „How do you do?“, schweigt verlegen, es ist schlimm.

Das Drama des Backenkusses

Die Anekdote oben, der Leser ahnt es, berichtet aus längst vergangenen Tagen. Damals sprachen Menschen im Geschäft offenbar noch miteinander. Der „Guardian“ beneidet die Deutschen, nein, nicht um ihre momentane Ausgangslage in der Gruppenphase, sondern um das „Guten Tag“, bei dem man wisse, was man habe, und das allgemeine Händeschütteln, das die Situation sinnig abrunde. Hierzu kann man eigentlich nur Ja, Ja und nochmals Ja sagen. Tatsächlich jedoch waren die Deutschen gar nicht so froh über all dies. Darum fallen sie einander seit geraumer Zeit schon um den Hals und küssen sich auf die Backe. Aber wie fest soll man drücken, und soll der Kuss allen Ernstes die Backe berühren, was entsetzlich ist, oder soll er in die Luft gehen, was snobistisch ist, und sollen es ein, zwei, drei Küsse sein? Wer körperlichen Kontakt mit Fremden meidet, kann heutzutage praktisch nicht mehr ausgehen.

Aus tiefsten Tiefen dämmert einem an dieser Stelle, dass noch in den siebziger Jahren kleinen Kindern Diener und Knickse beigebracht wurden. Das ist so lange her, dass nur mehr allein das Rechtschreibprogramm des Computers (hoffentlich) weiß, wie Knicks geschrieben wird. Man ging irgendwie leicht in die Knie, rechter Fuß kurz hinter linkes Bein, und fühlte sich ganz wohl dabei. Das erstaunt den Engländer aber bis heute, nein, nicht warum beim Fußball immer die Deutschen gewinnen, sondern warum „ganz wohl fühlen“ bedeutet, dass man sich recht wohl fühlt, während „ganz toll fühlen“ heißt, dass man sich total toll fühlt. Da fällt keinem mehr was ein und alle starren wieder trübe auf den Fernseher.

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