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Bayreuth

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Von: Judith von Sternburg

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Alles von langer Hand vorbereitet.
Alles von langer Hand vorbereitet. © Sascha Steinach/Imago

Mit Bonus-Tristan: Die Richard-Wagner-Festspiele haben 2022 große Pläne.

Aus Bayreuth unterdessen gute Nachrichten, ausgetüftelte Entscheidungen, eine echte Überraschung. Denn neben dem vor zwei Jahren aufgeschobenen „Ring“ von Valentin Schwarz (Regie) und Pietari Inkinen (Dirigat) soll es bei den Richard-Wagner-Festspielen auch eine neue „Tristan und Isolde“-Inszenierung geben (Roland Schwab führt Regie, es dirigiert Cornelius Meister als verheißungsvoller Bayreuth-Debütant aus Stuttgart). Eine Einmaligkeit: zwei Neuproduktionen an einem Ort, an dem doch alles von langer Hand und in großen Regelmäßigkeiten geplant ist, und eine der beiden noch dazu ein Vierteiler. Der Hintergrund erschließt sich: Sollte Corona die Wiederaufnahmen der Choropern „Fliegender Holländer“, „Tannhäuser“ und „Lohengrin“ gefährden, könnte man statt der geplanten zwei auch weitere „Tristan“-Aufführungen zeigen. Lange Hand, große Regelmäßigkeiten, aufwendige Improvisationen. Wenn einen das interessiert, wird man ganz konfus.

Die Bayreuther Festspiele sind von der Corona-Pandemie auch deshalb hart getroffen worden, weil alles so eng ist – der Graben und der Zuschauersaal –, und so international. 2021 bastelte die Festspielleiterin Katharina Wagner, über die längst kein Mensch mehr abfällig spricht, einen faszinierenden Miniatur-Ring zusammen, der nur in der Hermann-Nitsch-„Walküre“ aufs Festspielhaus angewiesen war. Diesmal probieren sie es umgekehrt, gehen ins ganz Große und haben mit den frühlingshaft abschwellenden Infektionszahlen einen guten Zeitpunkt dafür ausgesucht, es aller Welt mitzuteilen. Sieht man davon ab, dass alle Welt zu Recht völlig abgelenkt ist von einem anderen Ereignis. Ein anderes Ereignis, aber keine andere Welt, wenn man bedenkt, dass am heutigen Montag das Ultimatum an Bayreuth-Dirigent Valery Gergiev („Tannhäuser“ 2019) ausläuft, in dem die Münchner Philharmoniker und der OB der Stadt seine Distanzierung von Putins Ukraine-Invasion fordern.

Schwarz’ „Ring“ liegt seit zwei Jahren auf Lager. Der FR berichtete er damals, wie er vor Nichtbeginn der Festspiele noch einmal mit dem Bühnenbildner Andrea Cozzi bei den Kulissen gewesen sei (die in Bayreuth vor allem anderen fertig sind, ein Wahnsinnsvorlauf). „Das ist keine tote Materie. Es lebt und wartet darauf, bespielt zu werden. Ein sehr, sehr schönes Gefühl.“ Nun schob er im dpa-Gespräch nach, dass sein „Ring“ einer Netflix-Serie nachempfunden sei, das „Rheingold“ als Pilotfilm. Er wolle eine Geschichte von „heutigen Menschen, heutigen Figuren, heutigen Problemen erzählen – und keine von Göttern, Zwergen, Riesen und Drachen“. Dachten wir uns fast schon. Entscheidend ist aber natürlich auf’m Platz. Endlich.

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