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Hans-Jürgen Linke ist Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Rundschau.
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Hans-Jürgen Linke ist Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Rundschau.

Times Mager

Die Bauhütte

Die Brennstäbe der Reaktoren von Fukushima enthalten noch Stoff für eine Reihe weiterer Katastrophen, deren Konturen niemand ahnt, für einen Zeitraum, den niemand genau kennt.Ein bisschen erinnert die Situation in Fukushima an den Dombau in Florenz.

Von Hans-Jürgen Linke

Wieder ist etwas abgedichtet in einem havarierten nordostjapanischen Reaktor, Arbeiter und Ingenieure klopfen sich auf die Schultern, versorgen oder betrauern ihre Strahlenopfer und warten auf die nächste größte anzunehmende Überraschung: Niemand weiß, wo sich Explosionsherde bilden, wo Lecks klaffen werden, welches Radionuklid in welcher Konzentration wo auftaucht, aber alle wissen: Man wird schlecht darauf vorbereitet sein. Man wird improvisieren und mit unerträglichem Flickwerk auf neue Ideen kommen müssen. Dass die Reaktoren in absehbarer Zeit Ruhe geben, zeichnet sich nicht ab. Die Brennstäbe enthalten noch Stoff für eine Reihe weiterer Katastrophen, deren Konturen niemand ahnt, für einen Zeitraum, den niemand genau kennt.

Ein bisschen erinnert die Situation in Fukushima an den Dombau in Florenz. Als man dort um 1230 mit der Westfassade begann, wusste noch niemand, was das werden würde. 13 Jahrzehnte später hatten sich verschiedene Bauherren auf ein Modell geeinigt, 1417 erstellte Brunelleschi ein neues Modell für die Kuppel, wissend, dass mit keinem bekannten Material das dafür erforderliche Innengerüst errichtet werden könnte.

Was es gab, war die Dombauhütte: ein über Jahrhunderte kontinuierlich arbeitender, zunehmend abgeschotteter Kreis von begabten Handwerkern und Konstrukteuren, die Probleme lösten und Wissen produzierten, anwandten, tradierten. Das Kuppel-Projekt verließ sich auf Techniken, die es noch nirgends gab. So entstand innerhalb von 16 Jahren ohne Innengerüst die Kuppel der Kathedrale Santa Maria del Fiore.

Im Falle Fukushima verbieten sich solche zeitlichen Perspektiven, die Verstrahlung der Welt ist dringlicher als ein Dombau. Aber die Problembewältigung kann genau so lange dauern, weil die erforderlichen Techniken immer erst parallel zum ständigen Not- und Ernstfall erfunden werden. Und niemand weiß, ob und wie das Projekt gelingen wird.

In den Dombauhütten hat sich das Freimaurertum entwickelt, ein Nukleus der bürgerlichen Gesellschaft. Aber was für Zukunftsentwürfe entstehen in den Bauhütten havarierter Reaktoren?

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