Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Über den Salat war keine Einigkeit zu erzielen.
+
Über den Salat war keine Einigkeit zu erzielen.

Times mager

Bauern

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
    schließen

„Ist die Silvesternacht kalt und klar, folgt der 1. Januar.“ Die Kollegen sind in fideler Wetterweisheits-Laune. Zumal: „Das würde nicht einmal Donald Trump bestreiten.“

Kollege K. steuerte gleich zu Beginn der Debatte einen weiterführenden Hinweis bei: „Ist die Silvesternacht kalt und klar, folgt der 1. Januar.“ Der Reim verfügte zwar nach allgemeiner Ansicht (außer derjenigen des Kollegen K.) über gewisse Rhythmusstörungen, durfte aber als Hoffnungszeichen im Krieg an der Faktenfront gedeutet werden, wie Kollege S. sich einließ: „Das würde nicht einmal Donald Trump bestreiten.“

„Doch“, erwiderte prompt die schlagfertige Kollegin E., „vielleicht irgendwas mit Schaltjahr“, was allerdings kein gutes Licht auf die Kalenderfestigkeit der Kollegin E. (bzw. des Kollegen Trump) werfe, wie Kollege S. sofort bemerkte: „Zieht in die Länge sich das Jahr, liegt’s am langen Februar“, so sein Argument.

Den Anlass zu dem redaktionellen Austausch hatte die Auseinandersetzung über die Kampagne des Bundesumweltministeriums gegeben, die mittels „Bauernregeln“ für eine ökologisch vertretbare Landwirtschaft wirbt. Das sei, bemerkte Kollege S., bis etwa zum dritten der insgesamt elf Zweizeiler („Zu viel Dünger auf dem Feld geht erst ins Wasser, dann ins Geld“) ganz lustig, laufe sich dann aber tot, beziehungsweise, so S.: „Ist nach dem dritten Reim nicht Schluss, meldet sich der Überdruss.“

Kollegin E. wiederum, die sich dem Agrarwesen in gewisser Weise emotional verbunden fühlt, bekundete ein leises Unbehagen, mochte sich allerdings auch nicht dem Bundeslandwirtschaftsminister, einem Herrn Schmidt, anschließen, der das harmlose Reimen seiner Umweltkollegin empört als Verunglimpfung des gesamten Bauernstandes zurückgewiesen hatte, was wiederum der Kollege S. wie folgt kommentierte: „Immer weiter mit der Gülle, das ist des Ministers Wille.“

Im prosaischen Teil des Gesprächs, der die Reime des Kollegen S. an Niveau weit übertraf, folgten dann (in der Reihenfolge ihres Erscheinens): gut gebaute Kühe, Ernten im Mondenschein, Biomöhren sowie Erwägungen zu der Frage, was Salat außer Wasser sonst noch enthält. „Nichts“, betonte Kollegin A., nicht ohne darauf hinzuweisen, dass sie die Pflanze als solche („Kopfsalat“) meine und nicht etwa das gleichnamige Gericht, dem ja beispielsweise die Beifügung von Olivenöl einen gewissen Nährwert verleihe.

Den Krieg an der Faktenfront hatte die Runde an dieser Stelle vollends aus den Augen verloren. Jeder glaubte, was er wollte, und über den Salat war keine Einigkeit zu erzielen. Man ging fast vollständig in die Kantine, nur Kollege S. blieb zurück und murmelte: „An das Gute im Büfett glaubt nicht einmal die AfD.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare