Times mager

Bis bald

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Eigentlich dachten wir, es könnte nie zu Ende gehen. Und manche Dinge gab es nur, weil es dich gab: Ein Abschied von einem Freund.

Mit dem Sommer ist es beinahe wie mit einem geliebten Freund, einem einst vor Kraft schier platzenden geliebten Freund. Auf einmal geht er dahin. Kann man nichts machen. Man kann sich nur darüber beklagen an Stellen wie dieser hier, die überhaupt gar nicht die geeigneten Stellen zum Beklagen sind. Mach doch bitte mal einen Punkt, Sommer. Bleib doch gefälligst hier, geliebter Freund, wenn du kannst. Du kannst nicht, aber du sagst: Bis bald.
Weißt du noch, wir waren zusammen am Meer, Sommer. Es ist so lange her und war doch eben gerade. Vor zwanzig Jahren. Vor zwanzig Sekunden. Wir fuhren zusammen ans Meer, weil es dich gab und natürlich auch, weil es das Meer gab, aber vor allem, weil es dich gab. Wir fuhren hin und sangen und tanzten und schlürften Tee mit Halmen aus Metall. Das sei ja alles ganz furchtbar, sagten wir uns. Nicht auszuhalten, immer dieses schöne Wetter, immer dieses Meeresrauschen, dieses Nichtstun, die Zeit zum Nachdenken und zum Pläneschmieden und zum Lösen aller Probleme der Welt auf dem Weg des ausführlichen Diskurses.
Dann lachten wir dreckig. Furchtbar, dieser Sommer, ja, furchtbar! Und dauernd die kühlen Cocktails! Schlimm! Aber was soll man machen, riefen wir – man kann sich’s halt nicht aussuchen! Da müssen wir jetzt gemeinsam durch.

Lieber Sommer, lieber Freund

Nachts schalteten wir alle Lampen aus, und machten Fotos mit Blitz. Wir sahen aus wie Höhlenmenschen mit weit aufgerissenen Augen, Leute, die noch nie einer getroffen hatte, plötzlich entdeckt vom Licht. Vom Sommer. Wir stimmten Gitarren. Wir verstimmten die Nachbarn. Wir verabredeten uns an der Straße zum Kaffee, jeden Samstag, weil es dich gab. Es war warm, weil es dich gab.
Erinnerst du dich, wir haben verrückt gespielt, lieber Sommer, lieber Freund. Bis in die Dunkelheit haben wir verrückt gespielt, und danach haben wir Fisch gegessen oder sind im Einkaufswagen gefahren. So war das. Das stand fest. Das war so, weil du da warst. Es konnte eigentlich nie zu Ende gehen, damals, jedenfalls nicht, solange es dich gab.
Du standst unangemeldet vor der Tür, wie der Sommer, geliebter Freund, und gingst, wann du wolltest. Du hattest immer Pläne, es gab stets ein Ziel, und wenn das Ziel in immer weitere Ferne rückte, dann war es doch immer noch ein Ziel. Dann war es immer noch dein Ziel. Das gab es nur, weil es dich gab, und es blieb, solange du bliebst.
Mit dem Sommer ist es beinahe wie mit einem geliebten Freund. Aber der Sommer wird wiederkommen. Hasta luego, K.

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