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Babychecker

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Von: Lisa Berins

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Neues feministisches Vorbild? Rapper Haftbefehl will sich offenbar mehr Zeit für seine Kinder nehmen.
Neues feministisches Vorbild? Rapper Haftbefehl will sich offenbar mehr Zeit für seine Kinder nehmen. © dpa/(Archivbild)

Der Offenbacher Gangsta-Rapper Haftbefehl geht offenbar in Elternzeit

Ach ja, die Bilanz ist mau: Nur jeder zehnte Vater nimmt mehr als zwei Monate Elternzeit. Der Hauptanteil der Familien-Care-Arbeit bleibt also klassischerweise an den Frauen hängen, und ob der Job danach so wirklich wieder in Schwung kommt – na ja, Beobachtungen im Bekanntenkreis lassen daran stark zweifeln. Was brauchen wir in Deutschland, damit sich das endlich ändert?

Nummer eins: die Beseitigung des Gender-Pay-Gaps, damit die Mütter nicht aus rein finanziellen Überlegungen zu Hause bleiben. Nummer zwei: bessere Kinderbetreuungsangebote (und dafür mehr und besser bezahlte Pädagog:innen). Nummer drei: mehr Akzeptanz für Männer, die zu Hause bleiben wollen. Und das wollen – nach Selbstauskunft im gleichen Bekanntenkreis – wirklich nicht allzu wenige. Deshalb, liebe Familien-Männer, euer Aufruf: Emanzipiert euch und bildet Baby-Banden! Es ist an der Zeit, dass ihr für eure Hausmänner-Rechte einsteht. Geht auf die Straße, sucht euch Vorbilder! Zum Beispiel, ääääääääähm …: Haftbefehl!

Ja, dieser Macho-Gangsta-Rapper aus dem dunklen Offenbach macht jetzt nämlich mal wieder das, wovon ihr nur träumt. Also jedenfalls kündigt er es gewohnt großspurig auf seinem neuen Album „Mainpark Baby“ (aha, Baby!) an. Das Cover zeigt den „Babo“ – Kurzbiografie: zuerst als Drogendealer in der „Gosse“ gewissermaßen erfolgreich, dann erfolgreich mit Musik, in der er über die Gosse rappt und darüber, wie man ihr rappend entkommt, also diesen Babo sieht man auf dem Albumcover sonnenbrilletragend in die Ferne schauen, und: mit einem kleinen Jungen auf dem Arm. Der wiederum mit fescher Checker-Frisur, die dem Haftbefehl-Signature-Haircut durchaus sehr ähnelt. Groß-Hafti und Klein-Hafti in trauter, mariengleicher Einheit. Das bringt jedes Familienvaterherz zum Schmelzen.

Aber weiter im Text. Haftbefehls letzter Track, genannt „Letzter Track“ (Achtung, Mehrdeutigkeit!) enthüllt final das, was schon ikonografisch vorbereitet wurde: Der selbst ernannte und vom deutschen Feuilleton als solcher beglaubigte „Rap-Poet“ dreht „’ne letzte Ehrenrunde“ im Maybach durch seine alte Hood, den runtergekommenen Mainpark in Offenbach, und sinniert autobiografisch:

„Irgendwann bin ich zwar weg und geh’ /Verrecke als Legende, H-A-F-T und ned Goethe / Ich komm’ aus der Gosse, heute bin ich reich / … / Ich schmeiß’ das Mic hin und nimm für meine Kinder Zeit“.

Jawohl! Diese Entscheidung hat Respekt verdient, das Feuilleton gratuliert. (Aber bitte nicht in zwei Monaten wiederkommen.)

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