1. Startseite
  2. Kultur
  3. Times mager

Babaghai

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sandra Danicke

Kommentare

Eine „Frütöze“ klingt nach einem netten Utensil, das einem morgens beim Aufwachen hilft.
Eine „Frütöze“ klingt nach einem netten Utensil, das einem morgens beim Aufwachen hilft. © AlexLMX/Imago

Das Gurkitier kann das! Von Missverständnissen in Kleinanzeigen und anderswo.

gadji beri bimba glandridi laula lonni cadori. Soweit die erste Zeile eines Lautgedichts von Hugo Ball. Er rezitierte es 1916 im Zürcher Cabaret Voltaire. Dazu trug er einen grotesken Pappanzug, der an ein Bischofs-Ornat erinnerte. Weil der Anzug so steif war, musste man Ball auf die Bühne tragen. Das mit sakraler Ernsthaftigkeit vorgetragene Gedicht persiflierte kirchliche Liturgien. Gleichzeitig handelt es sich um eine Poesie, die durch reinen Klang erzeugt wird – und sei es der Klang, der im Kopf beim Lesen entsteht.

Jetzt zu Ebay Kleinanzeigen – eine Fundgrube der Alltagspoesie. Hier suchte einst ein Restaurant eine(n) „Pizza Pfarrer oder Pizza Pfarrerin“. Was für ein fürsorglicher Service für streng gläubige Katholikinnen und Katholiken. Man sieht den Pfarrer (die Pfarrerin) geradezu vor sich, wie er oder sie mit Ehrfurcht gebietender Geste und wohlklingenden Worten Mahlzeiten weiht, deren Form an Hostien erinnert.

In der Rubrik „Gartengeräte“ wiederum wurde für 50 Euro Folgendes geboten: „Ich verkaufen leider schwährendherzens mein Hähner, weil ich in neue Wohnung kein Garten habe. Er ist fast zwei Jahre alt und meistens sehr lieb.“ Ein Angebot, das verlockend klang. Auch weil man den Verkäufer für einen mitfühlenden, tierlieben Menschen halten muss, einen, der seine Trauer in klangvolle Worte packt „schwährendherzens“, was da alles mitschwingt! Fast wäre man ins Überlegen gekommen, ob so ein (meistens) lieber Hähner nicht der Anschaffung wert wäre, doch da las man weiter: „leider ist er sehr laut und er leck auch keine Eier“.

Was bitte soll man mit einem Tier das keine keine Eier leckt? Eben. Wobei man sofort an den Telefonscherz von Studio Braun denken muss. Die riefen einst in einer sächsischen Tierhandlung an und fragten nach einem Tier, das etwas (war es Geld?) hinter den Schrank Gerutschtes hervorholen könne. Auf die Antwort „Dos kon gor keen Tier“ reagierten Sie begeistert: „Das Gurkitier kann das?“

Sprachfehler in Kleinanzeigen sind übrigens ein Renner im Netz. Man findet dort sogar eine Art Wörterbuch für Kleinanzeigen-Sprache. Wenn zum Beispiel von einem „Babaghai“ die Rede ist, kann man offenbar davon ausgehen, dass ein Papagei gemeint ist. „Bulutut“ bedeutet Bluetooth und „Einmanfrei“ soll einwandfrei bedeuten. Ein Kaninchen wird in Anzeigen offenbar hin und wieder als Kenianischen bezeichnet.

Eine „Frütöze“ klingt nach einem netten Utensil, das einem morgens beim Aufwachen hilft, ist allerdings bloß eine Fritteuse. Schade. Manche Sprachverwirrung verliert nach der Auflösung ihren Charme.

Auch interessant

Kommentare