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Judith von Sternburg ist Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.
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Judith von Sternburg ist Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.

Times Mager

Ayapaneco

Ein trauriges Ende scheint es auch mit der Sprache Ayapaneco zu nehmen. Nur noch zwei Sprecher sind übrig, ist in der britischen Tageszeitung Guardian zu lesen, und sie sprechen praktisch nie miteinander.

Ein trauriges Ende scheint es auch mit der Sprache Ayapaneco zu nehmen. In Mexiko überlebte sie die Eroberung durch die Spanier, Revolutionen und Naturkatastrophen, um nun doch auszusterben. Nur noch zwei Sprecher sind übrig, ist in der britischen Tageszeitung Guardian zu lesen. Obwohl ihre Häuser dem Vernehmen nach nur 500 Meter voneinander entfernt liegen, unterhalten sie sich allerdings praktisch nie miteinander.

Die beiden Männer, Manuel Segovia (75) und Isidro Velazquez (69), hätten wohl nicht viel gemeinsam, erklären Beobachter. Der Erstellung eines Ayapaneco-Wörterbuchs ist das sehr hinderlich. Denn schon haben sich engagierte Linguisten vor Ort eingemietet, um zu retten, was zu retten ist, nach unnachahmlicher menschlicher Art: Erst werden Pflanzen ausgerottet, Tiere abgeschossen und Sprachen vergessen, dann erfindet man fabelhafte Saatkornklonmaschinen, hält Tiger artgerecht in deutschen Metropolen oder klemmt sich mal so richtig dahinter, wie eine Sprache, die nur noch zwei Menschen sprechen, eigentlich grammatisch aufgebaut und lexikalisch bestückt ist.

Natürlich wird man sich bald daran gewöhnen, dass kein Ayapaneco mehr gesprochen wird auf der Welt. Allen, die sowieso nie selbst Ayapaneco gesprochen haben, wird bei dieser Gelegenheit ein wenig melancholisch ums Herz werden, bevor sie sich anderen Dingen zuwenden. Ich will jetzt nicht direkt behaupten, dass sich auch welche finden werden, die allen Ernstes sagen: Darin liegt immer auch eine Chance. Aber wer weiß.

Das Schweigen der letzten Ayapaneco-Sprecher ist unterdessen imposant, auch wenn wiederum nicht verschwiegen werden soll, dass sie Verwandte haben, die sie immerhin noch verstehen. Nein, einer von ihnen, Segovia, hat Verwandte, die ihn noch verstehen. Auf Ayapaneco heißt die Sprache Nuumte Oote, die wahre Stimme. Vorangegangene Versuche, durch Sprachkurse die Kenntnisse von Segovia und Velazquez weiterzugeben, scheiterten am Desinteresse des Publikums. Segovia berichtet, er habe extra Stifte und Notizblöckchen gekauft. Auch ein trauriges Ende hat etwas Sang- und Klangloses, außer in der Oper.

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