Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Burg Katz.
+
Burg Katz.

Times mager

Autonomie

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
    schließen

Sie verständigen sich darüber, wie in der Geschichte die Loreley auf dem Berg ihr verderbliches Lied angestimmt habe, wie der Rhein gerauscht habe, beruhigend und zugleich neckend schauerlich.

Versonnen schauen die beiden Reisenden aus dem IC-Großraumwagenfenster, und auch das Schweigen spricht dafür, wie einverständig sie miteinander sind, nachdem sie vor vielleicht einer halben Stunde erstmals ein Wort miteinander wechselten, im Hauptbahnhof von Mainz, und seitdem hat immer wieder ein Wort das andere ergeben, während vor dem Fenster das Mittelrheintal vorbeizieht.

Ja, versonnen bedeutet vieles, und während des Schweigens scheinen die beiden Fahrgäste in ein Bild versunken, in dem der Rhein vorbeifließt, in dem auf den Rheinbergrücken sich die Burgruinen zeigen, in dem sich „Katz“ und „Maus“, weltberühmt, belauern. Durch den versonnenen Blick scheint nun auch der Großraumwagen in einen anderen Aggregatzustand hineinzugleiten, auch wenn er, der IC, kein altes Gewölbe ist, nein! Einer der beiden Reisenden schüttelt den Kopf, er sei wirklich kein gotisches Zimmer, nein, wiederholt der Reisende, und er sagt es nicht nur sich, sondern in die Richtung des Mitreisenden.

Die vielen schönen Mädchen

Noch mal, sagt er, zurück zu Heine, zu seiner Loreley, er habe sie nicht nur in seinem Gedicht besungen, auf Volksliedweise. Sondern er sei ja auch in seinen „Reisebildern“ auf sie zurückgekommen. Habe sich von einem seiner vielen schönen Mädchen, in diesem Fall einem besonders schönen, die schönsten Sagen erzählen lassen, so dass ihm ordentlich zauberisch zumute gewesen sei, während er dem schlanken, blassen Mädchen bei seiner Geschichte zugesehen habe, zugehört natürlich auch. Wie nämlich in der Geschichte die Loreley auf dem Berg ihr verderbliches Lied angestimmt habe, wie der Rhein gerauscht habe, beruhigend und zugleich neckend schauerlich. Das, sagt der Reisende, sei jetzt ziemlich viel Zitat gewesen.

Also Original-Heine? Der Gegenübersitzende erkundigt sich: Nur um es zu verstehen.

Genau, lautet die Antwort: Wobei es doch hochinteressant sei, dass diese Stelle weit weniger Prominenz erlangt habe als das Gedicht. Die Ursprungslegende, verfasst in Prosa (wie wir wissen von Clemens von Brentano, so der Reisende zur Seite sprechend), habe eine nicht abreißende Lyrik-Produktion nach sich gezogen, ein Gedicht nach dem anderen, darunter die Ergüsse von, so der Reisende: Schwachmaten!

Oder Lyrikautomaten, greift der andere Reisende den Gedanken auf. Ungezählt die Texte in abgedroschenen Formaten, heißt es weiter, abhängig von Einflüsterungen einer trivialen Außenwelt, anstatt, und dieser Satz kommt den beiden Reisenden wie aus einem Mund: den Aggregatzustand der Autonomie zu wahren.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare