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Autolack

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Von: Lisa Berins

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F+ür den Maler Daniel Richter wäre Tomatensuppe auf den eigenen Werken „kein Problem“. Er sagt: „Ölgemälde sind quasi unzerstörbar, wie Autolack. Anders lautende Behauptungen sind Propaganda von Konservatoren, die müssen das sagen, um ihren Job wichtiger aussehen zu lassen. Tomatensuppe auf einem meiner Bilder können Sie abwischen und fertig.“
Für den Maler Daniel Richter wäre Tomatensuppe auf den eigenen Werken „kein Problem“. Er sagt: „Ölgemälde sind quasi unzerstörbar, wie Autolack. Anders lautende Behauptungen sind Propaganda von Konservatoren, die müssen das sagen, um ihren Job wichtiger aussehen zu lassen. Tomatensuppe auf einem meiner Bilder können Sie abwischen und fertig.“ © Jens Kalaene/dpa

Der Künstler Daniel Richter würde im Namen des Klimas Tomatensuppe auf seiner Kunst tolerieren. Irgendwer wird’s schon wegwischen ...

Was wäre, wenn im Namen des Klimas Tomatensuppe auf einem seiner Gemälde landen würde – das wurde der Künstler Daniel Richter in einem Interview im „Spiegel“ gefragt. „Das wäre kein Problem! Ölgemälde sind quasi unzerstörbar, wie Autolack“, sagte der 60-Jährige darauf. „Anders lautende Behauptungen sind Propaganda von Konservatoren, die müssen das sagen, um ihren Job wichtiger aussehen zu lassen. Tomatensuppe auf einem meiner Bilder können Sie abwischen und fertig.“ Lässiges Statement. Vielleicht würden Monet oder van Gogh es anders sehen, aber das können wir schlecht überprüfen.

Überprüfen können wir die Fakten. Und da ist die Autolack-These schnell widerlegt: Unzerstörbar ist der keinesfalls; siehe Vogelkacke, siehe scharfe Schlüsselkante, siehe Wunderkerzenfunken – die brennen sich durch alles, sogar durch die Bootslackversiegelung von Esstischen, wie an Silvester bewiesen. Dann wären da noch ein paar weitere, vielleicht etwas kleinliche Fragen zu klären: Wenn Ölgemälde so robust sind, wie Richter behauptet, warum dann der ganze Eiertanz um Kunst? Warum hängen einem im Museum – nicht erst seit den Klimaprotesten – die Aufpasserinnen und Aufpasser an den Fersen und verwarnen einen, wenn man dem Bild mit der Nase zu nah kommt? Warum werden Gemälde beim Transport dann überhaupt mit Handschuhen angefasst, in Schutzhüllen gepackt – und nicht einfach so auf der Ladefläche eines, sagen wir, Traktors zum nächsten Museum gefahren? (Klar, ein Traktor wäre ohnehin unlogisch, aber Sie verstehen den Punkt …)

Natürlich brauchen Kunstwerke Schutz vor Zerstörung – und die droht nicht nur durch Menschen, sondern auch durch Bakterien, Salze oder einfach durch die Zeit, die an der Kunst nagt. Ganz ohne Propaganda gesagt: Restauratorinnen und Restauratoren sind die Retter:innen des Kulturguts! Ohne ihre Arbeit wären unzählige kostbare Werke heute angefressen, aufgelöst, verdunstet, verfärbt, unter einem Grauschleier verschwunden, verschimmelt, zerbröckelt, vertrocknet – schlicht nicht mehr da. Einfach die Tomatensuppe abwischen (im Fall von pappigem Kartoffelbrei dann gar nicht so einfach) und fertig – klingt cool, aber: Den Restaurator, die Restauratorin möchte man sehen, die oder der mit einem feuchten Spülschwamm oder Mikrofasertuch über ein Hunderttausend-Euro-Gemälde wischt (obwohl – jetzt vielleicht schon, also beim nächsten Richter-Werk).

Wo der Künstler zumindest nicht falschliegt: Auf die Zerstörung von Kunst sind die Klima-Aktivist:innen wohl nicht aus. Dann würden sie eher nicht zu Kartoffelbrei und Tomatensuppe greifen, sondern zu schärferen Waffen. Wunderkerzen zum Beispiel.

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